»Das, was wir angefangen haben, führen vielleicht unsere Schüler weiter«

Tag Zwei und Drei der ersten DGJW-Zentralstellenkonferenz standen im Zeichen von Workshops und Erfahrungsaustauschen. In den fünf Slots ging es um Themen wie Sprachanimation, Projektmanagement, die Förderrichtlinien, aber auch um Erfahrungen aus der Praxis. Ein Einblick in zwei besondere deutsch-griechische Austauschprojekte.

86 Namen und Nummern standen am Anfang. Dass über die Hälfte dieser Namen und damit  Biographien, einen Bezug zu Thessaloniki haben würden, war Christina Preftitsi, Deutschlehrerin an der Deutschen Schule Thessaloniki (DST), noch nicht klar als die Schule vom Deutsch-Französischen Gymnasium in Freiburg gefragt wurde, ob sie Teil eines besonderen Geschichts- und Übersetzungsprojekts werden wolle. Worum es dabei genau ging? 86 jüdische Frauen und Männer, die 1943 im Konzentrationslager Natzweiler-Struthof im Elsass für medizinische Forschungen an der Universität Straßburg ermordet wurden. 46 der Opfer stammten aus Thessaloniki – dies hatte wohl mit dem Zeitpunkt der Deportationen nach Auschwitz zu tun. Historiker Hans-Joachim Lang hatte durch jahrelange Recherchen alle Namen der Opfer aus acht Ländern Europas entschlüsseln und auch Lebensläufe rekonstruieren können.

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Auf deutschen Spuren

Bei einem Spaziergang durch Thessaloniki machten sich die Teilnehmenden der ersten Zentralstellenkonferenz auf die Suche nach Spuren der deutschen Präsenz in Thessaloniki. Neben der ersten Deutschen Schule ging es auch vorbei an der damaligen Orientbank, einem Kegelclub, aber auch moderner Kunst.

Startpunkt war der Platz des Olymp am Hafen, heute der „Freiheitsplatz“, der schon immer Versammlungsplatz war. Vorbei ginge es etwa an der ersten Deutschen Schule von Thessaloniki. Durch das bekannte Öl-Viertel und heutige Ausgehviertel, Ladadika, mit seinen Märkten durch, begegneten der Gruppe immer wieder wichtige unternehmerische Aktionen und auch tragische Ereignisse, sowie Spuren der jüdischen Gemeinde. Einige der schönen Bauten im Zentrum wurden etwa von den deutschen Besatzern konfisziert und für die Unterbringung der Gestapo und anderer Behörden ihrer Militärverwaltung genutzt. Im Megaro Koniordou an der Promenade etwa befand sich der Verwaltungssitz von Max Merten, dem Kriegsverwaltungsrat der Wehrmacht in Thessaloniki, der von dort Enteignungen, Folter und Massenmord an den griechischen Juden plante und verwirklichte.

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Erste Zentralstellen-Konferenz eröffnet

Wie könnte die Zukunft des deutsch-griechischen Jugendaustauschs aussehen und lassen sich Zentralstellen auch in Griechenland etablieren? Um diese Fragen ging es beim Auftakt der ersten Präsenzveranstaltung des Deutsch-Griechischen Jugendwerks im Konzerthaus in Thessaloniki.

Etwa 30 Vertreter der Zentralstellen sowie griechische Träger im deutsch-griechischen Jugendaustausch sind am Montagnachmittag in Thessalonikis Konzerthaus Megaro Mousikis zusammengekommen, um sich über die ersten Monate Deutsch-Griechisches Jugendwerk (DGJW) auszutauschen und einen Blick in die Zukunft zu werfen. Nach einer Videobotschaft des griechischen Generalsekretär für berufliche Bildung, lebenslanges Lernen, Jugend und stellvertretenden Vorsitzenden des DGJW-Aufsichtsrates, Georgios Voutsinos, präsentierten die Generalsekretäre Maria Sarigiannidou und Gerasimos Bekas eine erste Bilanz. 

Austausch in Pandemiezeiten
«Es war kein leichtes Jahr für die Jugendarbeit und auch hier konnten wir nur unter Einhaltung strenger Hygienemaßnahmen und mit einer reduzierten Teilnehmendenzahl zusammenkommen», sagte Bekas. «Auch die bürokratischen und formalen Hindernisse haben uns aufgehalten, noch effizienter zu sein», fügte Sarigiannidou hinzu. Ziel der Konferenz jetzt sei es, das Eis zu brechen und sich gemeinsam beherzt an offene Baustellen zu machen.

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Austausch besucht Gedenkfeier des Märtyrerdorfs Lyngiades/Επίσκεψη στο μαρτυρικό χωριό των Ιωαννίνων

Seit mehreren Jahren befassen sich Wilde Rose e.V. und Agrio Rodo mit der Aufarbeitung der deutsch-griechischen Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Dabei sind sie auch auf die Gräueltaten der deutschen Wehrmacht im Märtyrerdorf Lyngiades in Griechenland aufmerksam geworden. Bereits 2018 hatten die Vereine an einer Gedenkfeier des Massakers teilgenommen, 2021 kehrten sie mit einer Gruppe für das Erinnern zurück in das Dorf.

Die Wehrmacht hat 1943 in dem griechischen Dorf Lyngiades oberhalb von Ioannina bei einer sogenannten Sühnemaßnahme 82 Frauen, Greise und Kinder massakriert. Bereits 2018 hatten die Vereine an der Gedenkfeier des Massakers teilgenommen und einen Kranz für die Opfer am Ehrenmal niedergelegt. Nun, am 3. Oktober 2021, kehrte eine Gruppe von Fachkräften und Jugendlichen zurück nach Lyngiades, zur Gedenkfeier des Märtyrerdorfes.

„Wir finden es wichtig, dass im Rahmen des deutsch-griechischen Jugendaustausches die Teilnehmer*innen über die Verbrechen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg informiert werden. Es ist uns ein Anliegen, dass das deutsch-griechische Verhältnis durch die Aufarbeitung der Geschichte auf eine zukunftsfähige Grundlage gestellt wird“, heißt es von Seiten der Wilden Rose. Dazu wurde auch eine Broschüre auf Deutsch und Griechisch herausgegeben.

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Zentralstellen-Konferenz in Thessaloniki startet am 11. Oktober

Vom 11. bis 13. Oktober 2021 findet eine Zentralstellen-Konferenz des Deutsch-Griechischen Jugendwerks (DGJW) in Thessaloniki statt. Einige Veranstaltungsteile werden über Vimeo auf Deutsch und Griechisch gestreamt.

Teilnehmer sind Vertretern der Zentralstellen sowie griechische Träger im deutsch-griechischen Jugendaustausch. Veranstaltungsort der Konferenz ist das Megaro Mousikis Konzerthaus in Thessaloniki. Das Streamen einiger Plenar-Teile der Zentralstellenkonferenz über die Plattform Vimeo erfolge auf vielfachen Wunsch aus der Trägerlandschaft, heißt es vom DGJW. Mit der Konferenz soll an der Zukunft des deutsch-griechischen Jugendaustauschs gearbeitet und ein Beitrag dazu geleistet werden, die internationale Jugendarbeit wieder in Schwung zu bringen.

Zum vollständigen Programm (PDF-Dokument):

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DGJW-Büro in Thessaloniki eingeweiht

Nachdem das Deutsch-Griechische Jugendwerk im April 2021 seine Arbeit aufgenommen hat, wurde am Donnerstag nun auch das griechische Büro in der Villa Petridi in Thessaloniki offiziell eingeweiht.

In Anwesenheit der DGJW-Generalsekretäre Maria Sarigiannidou und Gerasimos Bekas haben der Generalsekretär für Berufliche Weiterbildung, lebenslanges Lernen und Jugend, Georgios Voutsinos, und BMFSFJ-Staatssekretärin Juliane Seifert sowie Thessalonikis Bürgermeister Konstantinos Zervas am Donnerstag den griechischen Sitzort des Deutsch-Griechischen Jugendwerks (DGJW), die Villa Petridi in Thessaloniki, eingeweiht.

Das DGJW hat bereits im April 2021 in Leipzig und Thessaloniki die Arbeit aufgenommen und fördert Jugendbegegnungen und Fachprogramme in Deutschland und Griechenland. Trotz Pandemie wurden im Jahr 2021 bislang 70 Anträge ans DGJW gestellt. „Nach Leipzig erhält das Deutsch-Griechische Jugendwerk nun auch ein Büro in Thessaloniki. Das ist ein weiterer Meilenstein für den internationalen Jugendaustausch zwischen beiden Ländern. Wir hoffen, dass sich viele junge Menschen aus beiden Ländern bald nicht nur digital, sondern wieder real treffen und damit das jeweilige andere Land kennenlernen können“, sagte Seifert, die ebenso wie Amtskollege Voutsinos stellvertretende Vorsitzende des DGJW-Aufsichtsrates ist.

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Film veröffentlicht/ Ταινία „Μνήμες από την Κατοχή“🎞

Das Projekt „Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland“ am Center für Digitale Systeme (CeDiS) der Freien Universität Berlin hat eine deutsche Fassung ihres Hintergrundfilms veröffentlicht. Am 25. Oktober soll zudem eine digitale Filmpremiere mit anschließender Diskussion stattfinden.

„Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland“ wurde produziert vom Regisseur Chrysanthos Konstantinidis („Der Balkon„) und wissenschaftlich begleitet durch Prof. Haris Athanasiadis. In zahlreichen Interviewausschnitten aus dem MOG-Archiv berichten Zeitzeugen von Hunger, Widerstand, deutschen Konzentrationslagern, Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung und der systematischen Deportation und Vernichtung der griechischen Juden. Historische Filmaufnahmen, aber auch Ausschnitte vom Besuch des Bundespräsidenten, Joachim Gauck, in der Märtyrergemeinde Lyngiades im Jahr 2014 ergänzen die Zeitzeugenberichte und führen in die Geschichte der deutschen Besatzung Griechenlands ein, die durch die Entschädigungsdebatte bis heute Aktualität besitzt.

Die digitale Präsentation des Dokumentarfilms „Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland“ findet am 25. Oktober 2021 um 16 Uhr (DE) statt. Mehr Informationen zur Teilnahme über die Plattform Webex im folgenden PDF-Dokument.

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»Der Austausch unserer Communities ist essentiell für effiziente Erinnerungsarbeit«

Für den Verband der Vereine der Griechen aus Pontos in Europa (OSEPEyouth) ist 2021 kein gewöhnliches Jahr: Es markiert 200 Jahre nach dem Beginn der Griechischen Revolutionen gegen die Osmanen 1821. Warum die Erinnerungskultur ein zentrales Thema für junge Menschen pontosgriechischer Herkunft ist und bleibt, erzählt Parthena Iordanidou vom Jugendvorstand im Interview.

Agorayouth: Parthena, du bist im Jugendvorstand der Jugendorganisation des Verbands der Griechen aus Pontos in Europa. Wen vertretet ihr?
Parthena Iordanidou: Der OSEPE-Jugendvorstand (Συντονιστική Επιτροπή Νεολαίας της Ομοσπονδίας Συλλόγων Ελλήνων Ποντίων στην Ευρώπη) setzt sich seit 1995 für die Interessen junger Menschen pontosgriechischer Herkunft zwischen 18 und 32 Jahren ein. Die Wurzeln der Mitglieder liegen in der historischen Region des Pontos, an der Südküste des Schwarzen Meeres, die heute zur Republik Türkei gehört. Griechen bewohnten die Pontosregion seit dem 8. Jahrhundert vor Christus sowie weitere Regionen der heutigen Türkei. Mit der Machtergreifung der Jungtürken in 1908 wurde die systematische und methodische Vernichtung der christlichen Völker im Osmanischen Reich, von Armeniern, Griechen und Aramäern/Assyrern/Chaldäern geplant und durchgeführt. Anfang des 20. Jahrhunderts lebten ungefähr 700.000 Griechen im Pontos und zwischen 2,2 Millionen und 2,7 Millionen Griechen im gesamten Osmanischen Reich. Etwa 353.000 Griechen aus Pontos wurden von den Jungtürken und Kemalisten ermordet.

Agorayouth: Was ist der Schwerpunkt eurer Arbeit?
Wir sind die Nachfahren von Genozidüberlebenden, von verfolgten und vertriebenen Griechen und verstehen es als unsere Pflicht, uns für die internationale Anerkennung und Aufarbeitung des Genozids an unseren Vorfahren und an der griechischen Nation einzusetzen. Daher bilden die Bemühungen um Anerkennung und Gerechtigkeit für die über eine Million griechischen Opfer einen Schwerpunkt unserer Arbeit. Es ist uns ein Anliegen, allen griechischen Opfern die Stimme zu geben, die ihnen weggenommen wurde. Genauso bedeutend ist für uns aber auch das Erhalten und Vermitteln der kulturellen Identität wie von Traditionen, Werten und Bräuchen des Pontos.

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Neues Antragsformular veröffentlicht/ Νέα φόρμα αίτησης 📑

Das Deutsch-Griechische Jugendwerk (DGJW) hat sein Antragsformular überarbeitet. „Wir hoffen, dass das die Antragstellung vereinfacht und die Kommunikation zwischen den Partnern den Zentralstellen und uns noch angenehmer macht“, heißt es vonseiten des DGJW.

***Corona-Update***

Um den deutsch-griechischen Jugendaustausch auch 2022 unter Pandemie-Bedingungen möglich zu machen, hat sich das Deutsch-Griechische Jugendwerk entschieden, einen Corona-Bonus anzubieten. Maßnahmen, die ab dem 1. Januar 2022 bis zum 30. September 2022 stattfinden, können zusätzlich 15 Euro pro Tag pro Teilnehmenden beantragen.

Folglich erhöhen sich die maximalen Förderhöhen von 20 Euro bei Unterbringung in Familien auf 35 Euro und von 35 Euro bei Unterbringung in Hotels, Hostels, etc. auf 50 Euro. Auch die Kilometer-Pauschale wird von 0,12€/km auf 0,15€/km erhöht. Sollten Sie einen Antrag bereits eingereicht haben, können Sie dem DGJW-Team formlos per E-Mail eine angepasste Kalkulation zusenden. Diese Erhöhung ist ein Angebot. Sollten Sie mit den normalen Sätzen auskommen, können sie zu den normalen Konditionen beantragen.

Was ist neu?
Das Formular ist nun zweisprachig. Um die Bedienbarkeit zu verbessern, wurde vom pdf-Format auf das docx-Format umgestiegen. Außerdem wurde die Rolle der Zentralstellen deutlicher herausgearbeitet und die einzelnen Seiten des Formulars übersichtlicher gestaltet. Dort, wo Antragsstellende unterschreiben, finden sich nun auch die Eckdaten des Projekts. 

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»Mit Taten überzeugen«

Zwei Schreibtische und ein paar Stühle – damit beginnt die Geschichte des Deutsch-Griechisches Jugendwerks (DGJW/ΕΓΙΝ) in Thessaloniki. Seit April 2021 sitzt Maria Sarigiannidou als Generalsekretärin an ihrem Schreibtisch in der Villa Petridi – inzwischen hat sie ein fünfköpfiges Team und ein paar mehr Tische und Stühle. Ein Gespräch über ihre Lieblingsstadt, Widerstände und die nächsten Schritte.

Agorayouth: Maria, schön, dich in eurem neuen Büro in Thessaloniki zu sehen! Habt ihr nun alle ein Büro in der Villa?
Maria Sarigiannidou: Ja, die Büros sind eingerichtet und auch die Stellen sind nun fast alle besetzt. Es fehlt nur noch die für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Ab September sind wir dann zu fünft. Anfang April sah das noch anders aus: Da gab es nur mich, zwei Schreibtische und ein paar Stühle, die uns die Gemeinde zur Verfügung gestellt hatte (lacht). Am 23. September wollen wir die Villa Petridi mit einer kleinen Einweihungsfeier eröffnen. Wegen der Pandemie können zwar nicht so viele Leute kommen, aber wir wollen darauf aufmerksam machen, dass wir da sind und unsere Türen offen stehen.

Du bist in Thessaloniki geboren und aufgewachsen. Was hast du gedacht, als du erfahren hast, dass deine Heimatstadt der griechische DGJW-Sitzort wird? 
Am Anfang hieß es ja, dass es Thessaloniki werden könnte, dann hat man wieder etwas zu Athen gehört. Über die finale Entscheidung habe ich mich dann sehr gefreut! Ich denke, dass die Verbindung zu Deutschland bei den Menschen, die hier leben, noch ein bisschen enger ist als zum Beispiel in Athen. Thessaloniki ist ja auch Partnerstadt von Leipzig! 
Ich habe hier die Deutsche Schule besucht, ein Erasmus-Semester in Köln gemacht, in München mein Masterstudium verbracht und darf jetzt in meiner Lieblingsstadt leben und das DGJW mit aufbauen, das ist großartig.

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