Ein Stück Familie

In einer WG leben bedeutet mehr als nur zusammen wohnen – eine WG ist oft auch Familienersatz. Erst recht, wenn man noch nie eine Familie hatte. Ronja Buggel arbeitet in Athen daran, die erste inklusive Wohngemeinschaft zu gründen. Doch was in Deutschland mittlerweile normal ist, hat in Griechenland viel Skandalpotential.

Es riecht nach Urin als Ronja Buggel das Gitter des Bettes von Paraskevi öffnet und die 15-Jährige begrüßt. „Zouzounaki mou“, sagt sie, „ti kaneis simera?“ –„wie geht es dir heute, meine kleine Honigbiene?“ Paraskevi kann nicht mit Worten antworten, aber sie lacht. So doll, dass ihr Gesicht fast verkrampft. Sie freut sich, dass Ronja sanft mit ihr spricht, sie kitzelt, ihr liebevoll einen Kuss auf die Stirn drückt. Die Vorhänge in dem Zimmer mit den acht Betten sind zugezogen. Es fällt schwer, das Alter der Kinder und Jugendlichen zu schätzen, sie auseinanderzuhalten, denn alle haben zentimeterkurz geschnittene Haare. „So sind sie geschlechtslos, das ist gewollt“, erklärt Ronja. Außerdem ist es praktisch: Die Pflege und Versorgung der Kinder ist hier Fließbandarbeit. Weiterlesen

Musik verbindet: Orchesteraustausch zwischen Athen und Berlin

2018 ist ein spannendes Jahr für die Nachwuchsmusiker des Athener Underground Youth Orchestra und des Julius-Stern-Kammerorchesters der Universität der Künste Berlin. Nach einem gemeinsamen Konzert in Athen, findet nun ein Rückbesuch mit einem Auftritt in Berlin statt. Stephanie Frauenkron von der UdK hat agorayouth erzählt wie das Projekt zustande gekommen ist und was noch möglich ist.

Agorayouth: Frau Frauenkron, wie ist das Jugendaustauschprojekt zwischen dem Julius-Stern Kammerorchester der Universität der Künste in Berlin und dem Underground Youth Orchestra aus Athen zustande gekommen?
Stephanie Frauenkron:Die Kooperation wurde vor allem von dem griechischen Komponisten Eleftherios Veniadis initiiert, der an der UdK studiert hat und aus dieser Zeit Professorin Anita Rennert gut kennt. Sie ist die Leiterin des Julius-Stern-Instituts für musikalische Nachwuchsförderung an der UdK Berlin. Eleftherios Veniadis ist heute in Deutschland und Griechenland tätig, arbeitet unter anderem mit dem Underground Youth Orchestra, und hat den Erstkontakt zwischen den Ensembles hergestellt. Frau Rennert war sofort begeistert von der Idee, beide Jugendorchester für gemeinsame Projekte zusammenzubringen. Denn gerade für die Jungstudierenden der UdK Berlin ist es natürlich eine tolle Möglichkeit, internationale Erfahrungen zu sammeln und sich so in künstlerischer, vor allem aber auch auf persönlicher Ebene weiterzuentwickeln. Durch die Förderung des Bundesfamilienministeriums, die Unterstützung der Jeunesses Musicales und das große Engagement vom Freundeskreis des Stern-Instituts konnte diese Idee dann sehr schnell in die Tat umgesetzt werden. Weiterlesen

„Das habe ich alles nicht gewusst…“

Gedenkstättenfahrten nach Griechenland – auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Thematik für Schulfahrten. Bisher steht eher das klassische Griechenland hoch im Kurs. Doch wie können Schulprojekte zu einem Thema der jüngeren Geschichte umgesetzt werden? Dieser Frage ginge 31 Lehrkräfte aus Rheinland-Pfalz, Thüringen und Sachsen-Anhalt auf Kreta auf den Grund. Auf welche Wissenslücken und blinde Flecken in den Geschichtsbüchern sie stießen, hat Bettina Münch-Rosenthal für agorayouth notiert.

Der Ansatz, das Verständnis für andere Nationen über Projekte zur Gedenkstätten und Erinnerungskultur zu fördern, ist zwar nicht neu in der pädagogischen Arbeit von Schulen im europäischen Kontext. Für Schulprojekte mit Griechenland ist er aber bisher kaum verbreitet und bekannt. Dafür gibt es neben finanziellen und organisatorischen Erschwernissen einen gewichtigen Grund. Die Zeit des Zweiten Weltkrieges und der damit verbundene deutschen Besatzungszeit – insbesondere die aus griechischer Sicht nicht abgeschlossene Frage der Reparationszahlungen – fanden bisher in der deutschen Öffentlichkeit, insbesondere im Studium und  in der Ausbildung angehender Lehrer sowie im Geschichtsunterricht der Schulen kaum Beachtung.Daher führten bislang kaum Schülerbegegnungen zu diesem Thema nach Griechenland. Weiterlesen

Einschulung ohne Schultüte?

Deutschlehrerin Christina Preftitsi ist zwischen Lüdenscheid und Thessaloniki groß geworden und trägt beide Länder und Sprachen in sich. Mit einem Stipendium des Pädagogischen Austauschdienstes (PAD) arbeitete sie für ein Jahr an einer Gesamtschule in Krefeld. Agorayouth hat sie erzählt, wie ihre Schüler in Thessaloniki täglich davon profitieren – und warum es bei ihrer Einschulung keine Schultüte gab.

Agorayouth: Christina, du bist zwischen Deutschland und Griechenland aufgewachsen. Seit einiger Zeit bist du Deutschlehrerin an der Deutschen Schule in Thessaloniki. Wie kam es dazu?
Christina Preftitsi: Ich wurde in Thessaloniki geboren und bin als ich sechs Jahre alt war mit meiner Familie nach Deutschland gezogen. Meine Eltern haben damals als Lehrer an einer griechischen Schule in Lüdenscheid gearbeitet und ich wurde ganz normal in einer deutschen Grundschule eingeschult – ohne ein einziges Wort Deutsch zu können. Ich erinnere mich noch wie heute an meine Einschulungsfeier, denn ich hatte leider keine Schultüte, weil wir nichts davon wussten! Meine Mama hat mir erzählt, dass ich anfangs immer Bauchschmerzen hatte und nicht zur Schule wollte. Ich kann mich kaum an die Zeit erinnern, aber ich weiß noch, dass ich eines Tages Deutsch sprechen konnte. Weiterlesen

„Eine Welt, wie wir sie wollen“

30 Teilnehmer aus Georgien, Griechenland, Russland, der Türkei und Deutschland kamen Mitte Juli im Antikriegshaus in Sievershausen für eine internationale Jugendbegegnung zusammen, um über Frieden, Integration, verantwortungsvollen Konsum und Umwelt zu diskutieren. „Young Activists for Peace. A World We Want“ ist der Titel der Begegnung, die von Anna Letsiou, einer ehemaligen EFDlerin von ICJA e.V. in Berlin geleitet wurde.

„Anfangs stand ein zweitägiges Training nach dem friedenspädagogischen Konzept ‚Jugendliche werden Friedenstifter*innen‘ „, erzählt Anna Letsiou, die die Jugendbegegnung im niedersächsischen Sievershausen in diesem Jahr mitleitete. Worum ging es? Grundlegende Fertigkeiten zum persönlichen Umgang mit Gewalt und Konflikten sollten erarbeitet werden. Für zwei Wochen arbeiteten die Teilnehmer aus Georgien, Griechenland, Russland, der Türkei und Deutschland an ihren Motivationen, Erwartungen und Ängsten zu diesem Themenkomplex – zusammen mit Asylsuchenden aus einer Unterkunft im benachbarten Lehrte. Weiterlesen

Youth Work translator DE-EL/ EL-DE

Mit über tausend Begriffen aus der Kinder- und Jugendhilfe und der Internationalen Jugendarbeit ging 2018 der Youth Work Translator von IJAB online. Auf Deutsch, Griechisch, Englisch und Chinesisch können Fachkräfte nach Übersetzungen von Fachbegriffen suchen.
***For Greek scroll down please***

Die sprachliche Verständigung bei internationalen Fachkräfteprogrammen und Jugendbegegnungen ist eine Herausforderung. Wenn es nicht nur um Alltagssprache geht, sondern um Fachbegriffe aus der Kinder- und Jugendhilfe, reichen die in der Schule erlernten Sprachkenntnisse oft nicht aus und bestehende Online-Tools liefern keine validen Übersetzungen. Weiterlesen

Zu Gast bei One Happy Family

Ende Juni machte sich eine deutsch-griechisch-französische Gruppe für eine Woche auf nach Lesvos. Ein Fachkräfteaustausch vom Interkulturellen Netzwerk und seinen Partnern hatte zum Ziel, einen Blick hinter die im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise entstandenen Strukturen auf der Insel zu werfen. Beim Community Center OHF- One happy family- packten sie tatkräftig an. Der Austausch in Bildern.

Im OHF entstehen Angebote von, mit und für Geflüchtete. Gemeinsam werden konkrete Strategien für die Arbeit mit Geflüchteten erarbeitet und ausgetauscht.

 

Zum Beitrag im Vorfeld des Fachkräfteaustauschs auf agorayouth geht es hier.

Fotos: Julia Appel

Gr.A.C.E. Greek German matchmaking for Active Citizenship Education

The first phase of the project “Gr.A.C.E. Greek German matchmaking for Active Citizenship Education in Youth Work“ took place in Berlin from May 8th to May 13th. The second part will take place in Corinth, Greece. Kelly Manoudi from Hellenic Youth Participation writes about lessons learned.

Gr.A.C.E. is a new Erasmus+ Project, which was implemented in two parts. The first part took place in Germany inMay 2018 and the second part will take place in Greece. The project is organised by the Faculty of Social and Educational Policy of the University of the Peloponnese (UoP) and the Association of German Educational Organization (AdB). It is characterized as a Greek–German matchmaking for practitioners/trainers in youth work and their organizations with the main aim, to create new partnerships and collaborations between organizations of both countries specialized in the field of youth work. Weiterlesen

Thassos: 3. Deutsch-Griechisches Inklusionscamp

Ende Mai war es wieder so weit und die kleine Insel Thassos wurde Schauplatz des 3. Deutsch-Griechischen Inklusionscamps, einer inklusions- und sportpädagogischen Jugendbegegnung mit praxisorientiertem Austausch. Für die deutschen Physiotherapie-Schüler und ihre Ausbilder hieß das vor allem: Sich sechs Tage lang frei machen von Barrieren.

Inklusion heißt Zugehörigkeit, also das Gegenteil von Ausgrenzung. Wenn jeder Mensch – mit oder ohne Behinderung – überall dabei sein kann, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Wohnviertel, in der Freizeit, dann ist das gelungene Inklusion. In einer inklusiven Gesellschaft ist es normal, verschieden zu sein. Jeder ist willkommen. Und davon profitieren wir alle: zum Beispiel durch den Abbau von Hürden, damit die Umwelt für alle zugänglich wird, aber auch und gerade durch selbstbestimmtes Leben, mehr Offenheit, Toleranz und ein besseres Miteinander. Weiterlesen

JUMP: Lust auf Basketball in Griechenland?

„JUMP!“ heißt es seit 2016 im gemeinsamen Basketball-Projekt der TuS Neukölln und der Anagennisi Servion aus Servia in Griechenland. Bereits in zehn Tagen ist es wieder so weit und es sind noch einige Plätze frei geworden! Los nach Griechenland geht’s am 12. Juli und die Rückreise nach Deutschland – hoffentlich mit einigen Basketballspielen in den Beinen – ist für den 23. Juli geplant.

Servia und Berlin. Um die Unterschiede der Lebenswelten zu erfahren, muss man vielleicht den Boden verlassen und einen Sprung wagen. Griechenland und Deutschland, ländliche Kleinstadt und Metropole, Berge mit Stausee und betonierte Ebene – einige der Unterschiede liegen auf der Hand, andere zeigen sich erst wenn man selbst am anderen Ort ist. Doch auch Gemeinsamkeiten gibt es viele. Diese zeigen am besten im direkten Austausch miteinander. Das ist der Grund, warum es diesen Austausch gibt! Weiterlesen