Solidarität in schwierigen Zeiten

Anna Bertels ist Deutsche und lebt seit 35 Jahren in Athen, verheiratet mit einem Griechen, lange Zeit berufstätig in deutschen Firmen. Seit ihrer Pensionierung hilft sie u.a. Flüchtlingen als Ehrenamtliche in der Evangelischen Kirchengemeinde Deutscher Sprache in Athen. Ihre Alltagsgeschichte zeigt, was Hilfsbereitschaft und Solidarität bewirken können.

„Ich möchte dieses Forum nutzen, um ein paar Eindrücke aus Athen zu schildern, die mich auch nach 35 Jahren in Athen überrascht und vor allem gefreut haben. Im Rahmen meiner ehrenamtlichen Arbeit betreue ich zurzeit einen 12-jährigen Jungen aus dem Irak, der bei seiner Ankunft in Athen – unter furchtbaren Umständen – von seiner Familie getrennt wurde.  Zu seiner Mutter, die mit den zwei Geschwistern in Deutschland angekommen ist, hat er immerhin telefonischen Kontakt. Der Familie wurde in Deutschland Asyl gewährt.

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Die Deutsche Anna Bertels lebt seit 35 Jahren in Athen Foto: Privat

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„Wir waren uns einig“

Tweet vom 13. März 2015

Bildungsminister Baltas, Carsten Schneider und Johannes Kahrs (beide SPD, von links) im Gespräch. Screenshot von Twitter

Die beiden SPD-Abgeordneten, Carsten Schneider und Johannes Kahrs, sind im März nach Griechenland gereist, um sich selber ein Bild von der Lage zu machen. Zum Abschluss ihrer Reise stand ein Gespräch mit dem griechischen Bildungsminister an. Es ging dabei um das Deutsch-Griechisches Jugendwerk. Agorayouth hat mit Johannes Kahrs über die Begegnung gesprochen.

Agorayouth: Herr Kahrs, Sie haben vor einigen Wochen den griechischen Bildungsminister Aristidis Baltas getroffen und über das Deutsch-Griechische Jugendwerk gesprochen. Wie kam es zu dem Treffen?

Als haushaltspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion bin ich unter anderem für die „Rettungspakete“ und Hilfsprogramme für Eurostaaten zuständig, die in Schwierigkeiten stecken. Griechenland steht da natürlich ganz oben auf der Agenda. Deswegen wollte ich mir in Athen selbst ein Bild von der Lage und der neuen griechischen Regierung machen. Mir war es aber wichtig, nicht nur über Wirtschaftsreformen und Haushaltskonsolidierung zu reden, sondern auch darüber, was Deutsche und Griechen gemeinsam an positiven Dingen auf den Weg bringen können. Das Deutsch-Griechische Jugendwerk ist ein solches Projekt, das ganz konkret viel Gutes bewirken kann. Und dies gerade in Zeiten, in denen bestimmte Kreise in Griechenland und in Deutschland lieber Vorurteile bedienen, als vernünftig miteinander umzugehen.

Was haben Sie konkret besprochen?
Wir waren uns einig, dass das Deutsch-Griechische Jugendwerk eine tolle Idee ist, die möglichst schnell mit Leben erfüllt werden soll. Ich habe dem Minister zugesagt, dass ich als Haushaltspolitiker unsere Familienministerin Manuela Schwesig hier voll unterstütze und dass ich sehr zuversichtlich bin, dass wir die Finanzierung im Bundeshaushalt sicherstellen.

Wie steht der griechische Bildungsminister zum Deutsch-Griechischen Jugendwerk?
Bildungsminister Baltas unterstützt das Vorhaben. Aber er hat natürlich auch darauf hingewiesen, dass die griechische Regierung an allen Ecken und Enden sparen müsse, dass das auch für sein Ministerium gelte und dass er deswegen erst mal sehen müsse, wie er den griechischen Beitrag für das Jugendwerk aufbringen könne.

Haben Sie über die nächste Schritte gesprochen?
Die weiteren Gespräche laufen zwischen dem griechischen Bildungsministerium und unserem Familien- und Jugendministerium. Die inhaltlichen Fragen müssen dort geklärt werden. Ich bin sicher, dass das auf einem guten Weg ist.

Der Schuldenstreit und die Frage nach Reparationszahlungen belasten das deutsch-griechische Verhältnis gerade stark. Welchen Beitrag für ein besseres Verhältnis kann Ihrer Einschätzung nach ein Jugendwerk leisten?
Gerade weil es derzeit relativ deutliche Meinungsverschiedenheiten zwischen der griechischen Regierung und der Bundesregierung gibt, sind Projekte wie das Jugendwerk so wichtig. Hier begegnen sich Jugendliche aus beiden Ländern, die gemeinsam ihre Zukunft in Europa gestalten wollen und sollen. Dazu gehört auch, dass man nicht vergisst, was ein Volk dem anderen in der Vergangenheit angetan hat. Aber vor allem müssen die Jugendlichen sich kennen lernen, gemeinsame Projekte machen, nach vorne schauen und sich fragen: Was können wir zusammen bewirken? Wie bringen wir Europa voran? Mit dem Deutsch-Französischen und Deutsch-Polnischen Jugendwerk klappt das schon hervorragend. Wenn wir das nun auch mit Griechenland hinbekommen, gewinnen alle.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Kahrs.

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Förderungen für Jugend-Austausch noch 2015 nutzen

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend informiert über Möglichkeiten zur Förderung von Deutsch-Griechischen Jugend-Austauschprojekten – über das SONDERPROGRAMM ZUR FÖRDERUNG VON DEUTSCH-GRIECHISCHEM JUGENDAUSTAUSCH 2015

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