Was ist am ersten Tag des 2. Deutsch-Griechischen Jugendforums in Thessaloniki geschehen? Studenten des Instituts für Journalismus und Massenmedien der Aristoteles Universität Thessaloniki haben Fragen zum Deutsch-Griechischen Jugendwerk gestellt.
Mobil mit Europass und Youthpass
Förderprogramme, Erasmus+ oder Easyjet: Möglichkeiten für junge Menschen, sich grenzübergreifend auszutauschen, gibt es mittlerweile wie Sand an der Ägäis. Mühe macht also weniger das Reisen an sich, sondern es sind mittlerweile vor allem die bürokratischen Hürden vor und nach den Treffen, die den Austausch erschweren.
Welche Dokumente benötige ich? Wie halte ich meine Erfahrungen fest? Und wie kann ich mein eigenes Profil, meine Fähigkeiten und meine Interessen auf eine Weise kommunizieren, dass sie zu den Erwartungen meines Austauschpartners passen? Die Programme YouthPass und Europass konzentrieren sich auf diese Herausforderungen beide mit ihrem eigenen Schwerpunkt – das eine für Jugendaustausch, das andere für die Förderung von Mobilität unter Berufstätigen. Weiterlesen
Bildergalerie: Tag 2 #GGYouthForum17
Vom 5.-8. März 2017 findet in Thessaloniki das zweite Deutsch-Griechische Jugendforum statt. Am zweiten Tag der Konferenz erwarteten die Teilnehmer Praxisbeispiele, handfeste Tipps und Exkursionen zu spannenden Stationen in der griechischen Hafenstadt. Eindrücke der Veranstaltung in unserer Bildergalerie.
Fotos: Till Holland, Christian Herrmann, Lisa Brüßler
Youth work: Two countries, two approaches
More than two years ago, the founding process of the German-Greek youth office started and it is still ongoing. Several circumstances slowed the process down; one for sure are the different structures of youth work in both countries. The first conference day in Thessaloniki, Katerina Poutou and Tobias Köck talked about the structural challenges of binational collaborations. For Agorayouth we digged deeper into the subject matter.
When it comes to bilateral cooperations a framework is needed. Discussions, action, budget, priorities, evaluation – all of these matters need a framework for contracts while figuring out if this policy is to be accepted or not. „The Greek are lacking this framework“, admits Katerina Poutou, social worker and representative of the NGO Arsis. Tobias Köck from the German National Youth Council seconds on that: „It is important to have strong structures and concrete concepts with evaluation“, he says. „But is also important to get in touch with youth and to ask them what they want to do. So participation is the main key and we should be focused on this.“
Feierliche Eröffnung: Auf dem Weg zum Deutsch-Griechischen Jugendwerk
Etwas mehr als zwei Jahre hat es gedauert, doch nun kamen vom 5.-8. März 2017 rund 100 Teilnehmer aus Griechenland und Deutschland zum zweiten Deutsch-Griechischen Jugendforum in Thessaloniki zusammen – und erfuhren einige Überraschungen.
Bürgermeister Yiannis Boutaris freute sich über seinen vollen Rathaussaal: „Wir sind sehr oft gefangen in alten und konservativen Ansichten, auch in der deutsch-griechischen Zusammenarbeit und wir wollen ja eigentlich Türen öffnen mit dem Jugendwerk, also junge Menschen zusammenbringen.“ Was bereits vor Jahren begonnen habe, soll nun weiter ausgeweitet und auch zur gemeinsamen Problembewältigung genutzt werden, so Boutaris Plädoyer. „Es ist sehr unangenehm, dass wir Mauern und Zäune an den Grenzen haben und keine Willkommenskultur in Griechenland. Die Flüchtlingsströme sind ja nicht zufällig entstanden, sondern durch Kriege und Krisen, die wiederum dem Einfluss anderer Faktoren unterliegen“. Ihn freue es, wenn ein Jugendbüro in Thessaloniki entstehen würde, als Vorstufe zum Deutsch-Griechischen Jugendwerk: „Wir würden uns gerne dieser Herausforderung stellen – die Jugend ist die Perspektive für die Zukunft und das müssen wir noch stärker fördern und unterstützen. Dazu ist das Jugendwerk für mich da“, betonte Boutaris. Weiterlesen
Survey No.2: I am thinking about…
Almost 100 participants arrived at the 2nd GGYouthForum. We approached a few of them, asking them the question: What are you thinking about after the first speeches and thoughts we heard in the opening ceremony?
In the speeches it was mentioned that Greek students learn by heart the subjects that are being taught at school. In that way students can’t participate in society. You need competence, something that is possible to be gained only with personal research. Sometimes the information we study are not valid, so each person, each student has to seek knowledge and come to his one conclusion. Personal opinion and critical mind are weapons nowadays. This Youth Forum is really important not only for the participants, but also for youth in general. If organizations want to fulfil youth exchanges, they need networking and partners in other countries. I hope that the Greek-German Institute is going to be founded and our relationships will be improved. As NGOs we hope to do our best for this specific purpose, our youth, our future, by not being affected by political issues. The only need of politics is for their subsidy to us in order to continue our work.
Heike Deul, NGO Arbeit& Leben Mecklenburg-Vorpommern
Jugendarbeitslosigkeit – was kann man tun?
Mit 20 Prozent Arbeitslosenquote ist die Berufs- und Jobfindung unter jungen Menschen in Griechenland ein drängendes Problem. Auch deutsche Jugendliche beschäftigt die eigene berufliche Zukunft sehr. Was funktioniert bereits gut, was kann Ideengeber und Inspiration sein? Ein Workshop vom Montagnachmittag stellt diese Beispiele vor.
Gemeinsam kochen, Kräutergärten besichtigen, über Traditionen reden und neue Freundschaften schließen – das stand im Fokus des Jugendaustauschs, der etwa zwanzig Auszubildende aus den Bereichen Gastronomie und Garten- und Landschaftsbau in Köln und Kefalonia zusammenbrachte. Einige der Teilnehmer saßen vorher noch nie in einem Flugzeug und konnten sich schon gar nicht vorstellen, wie Handwerksbetriebe des jeweiligen anderen Landes wohl arbeiten. „Entstanden ist das Projekt zum Austausch junger Auszubildender auf dem ersten Jugendforum 2014 in Bad Honnef“, erzählte Christina Alexoglou-Patelkos von der Deutsch-Hellenischen Wirtschaftsvereinigung (DHW). „Daraufhin konnten sich 2015 in Kefalonia und dann 2016 in Köln im Anschlussbesuch die deutschen und griechischen Auszubildenden über Erfahrungen und Kenntnisse austauschen“. Zusammen mit dem griechischen Partner, dem Aloniwerk, und dem Amt für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Köln wurde das Projekt realisiert.
Bildergalerie: Eröffnung des 2. Deutsch-Griechischen Jugendforum
Vom 5.-8. März 2017 findet in Thessaloniki nach dem ersten Deutsch-Griechischen Jugendforum in Bad Honnef Ende 2014 die Wiederauflage statt. Eindrücke vom ersten Veranstaltungstag in unserer Bildergalerie.
Fotos: Till Holland, Michael Metzger, Inge Linne, Lisa Brüßler
Alltag von Jugendlichen in Deutschland: Nicht nur Helene Fischer
Die Sinus-Studie 2016 bietet tiefe Einblicke in die Lebenswelten von jungen Menschen in Deutschland. Auf dem Podium von #GGYouthForum2017 präsentiert Dr. Gabriele Schambach von der SINUS Stiftung die Studie. Uns hat sie weitere Fragen dazu beantwortet.
Agorayouth: In der Studie „Lebenswirklichkeiten 2016“ haben Sie junge Menschen in Milieus eingeordnet wie „Konservativ-Bürgerlich“, „Adaptiv-Prakmatisch“ oder „Expeditiv“. Gab es über die vergangenen Jahre für bestimmte Milieus besonders hohen Zuwachs?
Schambach: Das können wir so nicht sagen. Die Sinus-Studie ist eine qualitative Studie. Wir beschreiben für einzelne Milieus plastisch, wie der Alltag eines Jugendlichen aussieht. Wir wissen beispielsweise, dass die Konservativ-Bürgerlichen gerne Helene Fischer hören und sehr heimatverbunden sind, während die Expeditiven einen hohen Bildungsgrad haben, Rebellion und Selbstverwirklichung hochhängen und tragischerweise es genau deshalb schwer haben einen Job zu finden. Weil wir aber die Zusammensetzung unserer Interviewpartner nicht anteilig der gesamten Jugendlichen auswählen, können wir keine quantitativen Aussagen zur Verschiebung der Zugehörigkeiten treffen.
Ein Bollwerk namens Mama
Die Jugendkultur Griechenlands ruht auf zwei Säulen, so lässt sich die Rede des griechischen Politikwissenschaftlers und Konfliktforschers George Voskopoulos auf den Punkt bringen: Familie und berufliches Umfeld. Durch die aktuelle finanzielle Krisen-Situation sind beide Säulen einer hohen Belastung ausgesetzt, doch es gibt auch Grund zur Erleichterung: Einsturzgefährdet sind beide Säulen nicht.
Traditionell nimmt die Familie in Griechenland einen hohen Stellenwert im Leben von jungen Menschen ein, so Georg Voskopoulos, Politikwissenschaftler an der Universität Mazedonienund ergänzt an die deutschen Teilnehmer gewandt: „Wenn ich einen Blick auf euere Sinus-Studie werfe mit dem Drang eurer Jugend nach Ausbruch und Abgrenzung, dann hätten die ganz schön viele Probleme, sich in Griechenland anzupassen.“ Denn griechische Mütter und Väter sind es gewohnt, lange Zeit in die Biografien ihrer Kinder einzuwirken, ihnen sogar Studienfächer oder Berufswahl zu empfehlen. Erst nach und nach begehren in Athen, Thessaloniki und anderswo die jungen Leute dagegen auf – auch weil sie merken, dass die Rezepte von früher zu einer Ära der Finanzkrise nicht mehr passen. Wahr ist aber auch: „Mutter und Vater sind in Griechenland die ganze Zeit ein Bollwerk gegen die Krise gewesen.“