Etwas mehr als zwei Jahre hat es gedauert, doch nun kamen vom 5.-8. März 2017 rund 100 Teilnehmer aus Griechenland und Deutschland zum zweiten Deutsch-Griechischen Jugendforum in Thessaloniki zusammen – und erfuhren einige Überraschungen.

Bürgermeister Yiannis Boutaris freute sich über seinen vollen Rathaussaal: „Wir sind sehr oft gefangen in alten und konservativen Ansichten, auch in der deutsch-griechischen Zusammenarbeit und wir wollen ja eigentlich Türen öffnen mit dem Jugendwerk, also junge Menschen zusammenbringen.“ Was bereits vor Jahren begonnen habe, soll nun weiter ausgeweitet und auch zur gemeinsamen Problembewältigung genutzt werden, so Boutaris Plädoyer. „Es ist sehr unangenehm, dass wir Mauern und Zäune an den Grenzen haben und keine Willkommenskultur in Griechenland. Die Flüchtlingsströme sind ja nicht zufällig entstanden, sondern durch Kriege und Krisen, die wiederum dem Einfluss anderer Faktoren unterliegen“. Ihn freue es, wenn ein Jugendbüro in Thessaloniki entstehen würde, als Vorstufe zum Deutsch-Griechischen Jugendwerk: „Wir würden uns gerne dieser Herausforderung stellen – die Jugend ist die Perspektive für die Zukunft und das müssen wir noch stärker fördern und unterstützen. Dazu ist das Jugendwerk für mich da“, betonte Boutaris. 

Fortsetzung der Pläne vom ersten Jugendforum in Bad Honnef

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General Secretary for Life Long Learning and Youth, Pausanias Papageorgiou

Neben Bürgermeister Boutaris begrüßte auch der griechische Generalsekretär für Lebenslanges Lernen und Jugend, Pafsanias Papageorgiou, die Teilnehmer: „Wir sind in der Fortsetzung dessen, was 2014 begonnen hat und von beiden Ländern bekräftigt wurde“, sagte er. Es sei eine politisch und sozial schwierige Zeit gewesen, in der man sich dennoch öfter zu Gesprächen getroffen habe. Er hoffe darauf, dass bald eine endgültige Kooperationsform unterzeichnet werden könne. „Dass das Büro in Thessaloniki sein wird ist natürlich nicht zufällig“, sagte Papageorgiou, „die Stadt war bereits Gastgeber verschiedener europäischer Veranstaltungen und hat einen reichen Erfahrungsschatz. Zudem ist es eine ausgeprägte Studentenstadt mit vielen Jugendorganisationen.“

Das Interesse an der Folgeveranstaltung war in beiden Ländern sehr groß: „Mit 80 Bewerbungen in Griechenland und in Deutschland sogar noch mehr, mussten einige Interessenten abgelehnt werden“, erklärte Papageorgiou, „aber das bekräftigt ja, dass wir weiter machen müssen, um zu wachsen und das Jugendwerk als Institution zu etablieren.“ Die Themen für das Jugendwerk ergeben sich für ihn vor allem aus der sozialen Wirklichkeit, rund um Engagement, Flüchtlinge, Arbeitslosigkeit und Integration.

Auf der Zielgeraden

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Thomas Thome, Unterabteilungsleiter im BMFSFJ

Auch Thomas Thomer, Unterabteilungsleiter im deutschen Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt die Idee des Jugendwerks in Thessaloniki. Nach Bad Honnef im November 2014 wurde es höchste Zeit für das zweite Forum in Griechenland: „Ich glaube aber auch, dass die Zeit notwendig war, um die Unterschiede der Strukturen kennen zu lernen und zu begreifen.“ Jetzt stehe man kurz davor eine Ressortvereinbarung zu unterzeichnen, die einen Zeit- und Arbeitsplan fixiert, bis es dann in der nächsten Legislaturperiode zu einem Abkommen geschlossen werden könne, welches das Jugendwerk gründet. „Das alles macht aber keinen Sinn, wenn Sie, die Vertreter die Zivilgesellschaft nicht mitziehen“, plädierte er an die Teilnehmenden des Forums, „deshalb sind sie hier, sodass wir die Zahl von fast 100 durchgeführten deutsch-griechischen Projekten in 2016 noch steigern können. Wir werden die Rahmenbedingungen schaffen, die Sie dann mit Leben füllen.“

Jugendliche erleben zur Zeit ein Europa, das sehr viel mehr Schritte zurück als nach vorn zu machen scheint: „Vor zwanzig Jahren waren die teils extremistischen und nationalistischen Tendenzen so undenkbar. Mit der Einrichtung des Deutsch-Griechischen Jugendwerks verfolgen wir den Ansatz, dass Jugendaustausch das Instrument ist, um diese Tendenzen zu vermeiden.“

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Manfred von Hebel, German National Agency for the Erasmus+ programme

Auch Manfred von Hebel von der deutschen Nationalagentur und Chrysanthi Godinou von der Griechischen Nationalagentur betonten die Chancen der Zusammenarbeit für die Jugendlichen beider Länder. Walter Stechel, Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Thessaloniki freute sich über das Angebot, das Jugendwerk in Thessaloniki anzusiedeln und betonte, dass die deutsch-griechische Kooperation aus vier Säulen bestehe, hier sei vor allem der zivilgesellschaftliche Input wichtig.

Text: Lisa Brüßler Foto: Till Holland

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