Mit 20 Prozent Arbeitslosenquote ist die Berufs- und Jobfindung unter jungen Menschen in Griechenland ein drängendes Problem. Auch deutsche Jugendliche beschäftigt die eigene berufliche Zukunft sehr. Was funktioniert bereits gut, was kann Ideengeber und Inspiration sein? Ein Workshop vom Montagnachmittag stellt diese Beispiele vor.

Gemeinsam kochen, Kräutergärten besichtigen, über Traditionen reden und neue Freundschaften schließen – das stand im Fokus des Jugendaustauschs, der etwa zwanzig Auszubildende aus den Bereichen Gastronomie und Garten- und Landschaftsbau in Köln und Kefalonia zusammenbrachte. Einige der Teilnehmer saßen vorher noch nie in einem Flugzeug und konnten sich schon gar nicht vorstellen, wie Handwerksbetriebe des jeweiligen anderen Landes wohl arbeiten. „Entstanden ist das Projekt zum Austausch junger Auszubildender auf dem ersten Jugendforum 2014 in Bad Honnef“, erzählte Christina Alexoglou-Patelkos von der Deutsch-Hellenischen Wirtschaftsvereinigung (DHW). „Daraufhin konnten sich 2015 in Kefalonia und dann 2016 in Köln im Anschlussbesuch die deutschen und griechischen Auszubildenden über Erfahrungen und Kenntnisse austauschen“. Zusammen mit dem griechischen Partner, dem Aloniwerk, und dem Amt für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Köln wurde das Projekt realisiert.

Jugendaustausch zwischen Köln und Kefalonia
Mit dem Sonderförderprogramm zur Förderung von Deutsch-Griechischem Jugendaustausch des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) wurde das Programm „Beruf.Kennen.Lernen“ gestartet. Alexoglou-Patelkos gab den Teilnehmern des Workshops Tipps, wie man sich selbst auf das Programm bewerben kann: „Bei einem Projekt mit 26 Teilnehmern haben wir etwa 16.500 Euro für die beiden Besuche benötigt. Der größte Anteil sind natürlich Reise- und Übernachtungskosten“, erzählte sie. Die deutschen Teilnehmer mussten sich an den Kosten beteiligen, da das Programm nur zu 75 Prozent finanziert war. Dank bilateraler Kooperationen mit Unternehmen und Trägern könne aber dennoch viel erreicht werden, so Alexoglou-Patelkos. Auch für die Organisationen und Lehrer konnten wichtige Erkenntnisse gewonnen werden: „Wir haben uns einen Überblick über die Berufsbildungssysteme und Ausbildungsinhalte des anderen Landes verschafft, Freundschaften und Kontakte geschlossen und den Austausch als neues Themenfeld in den Fokus gebracht.“ Ziel ist es nun natürlich, den Jugendaustausch zwischen Auszubildenden weiter zu fördern. Auch in diesem Jahr ist eine Jugendbegegnung von Auszubildenden geplant.

Starthilfe für Jungunternehmer: Das Open Coffee Konzept

Im Bereich Berufsfindung und Arbeitslosigkeit scheint ein bilateraler Austausch zwischen Deutschland und Griechenland mehr als dringend: Griechenland hat europaweit die höchste Arbeitslosenquote im Bereich Jugend. Wer, wie die Auszubildenden, bereits einen Beruf gefunden hat, tut gut daran sich weiterzubilden und den eigenen Horizont zu erweitern. Wer keinen Beruf findet, der denkt auch über eine Selbstständigkeit nach. Doch  Unterstützungsstrukturen für junge Gründer existieren von Seiten des griechischen Staates kaum.
Der Kurator und Softwareingenieur Apostolos Kritikos gründete deshalb 2007 das Open Coffee Projekt in Thessaloniki, das er für Entrepreneurs in ganz Griechenland etablieren will. Jede dritte Woche eines Monats wird sich in einer von sechs griechischen Städten über mögliche Probleme und Fragen ausgetauscht: „Wir möchten jungen Menschen, die eine Idee haben und ein Unternehmen gründen wollen, einen Ort zum Austausch geben. Weltweit gibt es bereits Formate, bei denen man sich eher informell bei einem Kaffee trifft. Hier in Griechenland etablieren wir das nun eher etwas formeller“, so Kritikos.

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Apostels Kritikos, Open Coffee Thessaloniki

Die größte Erfolgsgeschichte von Open Coffee in Griechenland ist wohl das Start-up Taxibeat, das kürzlich für 43 Millionen Dollar verkauft wurde. Mit Taxibeat können Kundn über eine kostenlose App ein Taxi bestellen. Man sucht vorher das Taxi, das man benötigt, und neben der Bestellung erhält der Fahrer direkt den Anfahrtsweg zum Standort des Kunden. Das ist bequemer als vom Straßenrand aus „Taxi“ zu rufen. Erst 2011 haben die Gründer in Thessaloniki im Open Coffee das Projekt präsentiert, 2013 dann in Athen, bevor es kürzlich aufgekauft wurde. „Wir kennen uns hier untereinander. Wenn wir von Stadt zu Stadt reisen, kommen Leute zusammen, die etwas Unkonventionelles machen wollen. Dann ist das ein großer open sprace“, erzählt Kritikos. Vor zehn Jahren gestartet, konnte Kritikos nun auf der GGYouthConference2017 ein kleines Resumee des Projekts ziehen: „Wer kennt Taxibeat?“, fragte er in den Raum, und duzende Hände schnellten nach oben.

Viele Leute im Netzwerk von Open Coffee haben einen Hintergrund in Programmieren oder Design, sind Consultants, Journalisten, Juristen oder Internetaffine. „Sie sind gut ausgebildet, wollen etwas erreichen“, sagt Kritikos „aber auf der anderen Seite stehen Unternehmen, die diese Qualifikationen nicht bezahlen wollen oder können.“ Was bleibt, ist ins Ausland zu gehen oder ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Dazu kommt, dass der Steuersatz für Gründer und Selbstständig in Griechenland sehr hoch ist. „Solche Orte können Boomstätten für Jungunternehmer sein, aber wenn die Steuerlast so drückt, wenn das Wachstum krisenbedingt weiter ausbleibt oder der Gründer einfach ermüdet ist durch all diese Regularien, dann hilft auch das Netzwerk nichts mehr“, gab Kritikos zu bedenken. Es brauche unbedingt strukturelle Verbesserungen für engagierte Jungunternehmer, die dem Land erhalten bleiben wollen. An der Geschichte von Kritikos selbst sieht man auch, dass es mit viel Ausdauer funktioniert: Er selbst kann trotz Krise mit seinem Unternehmen ein kleines Wachstum verzeichnen.

Text: Lisa Brüßler, Fotos: Till Holland

Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

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