Bereits im Frühjahr haben wir an dieser Stelle über die Vorbereitungen der Jugendbegegnung zwischen Vereinen aus Bonn und Kryoneri bei Korinth berichtet. Anfang September 2017 war es soweit und die zehn deutschen Jugendliche trafen auf junge Griechen – und hatten eine Begegnung der besonderen Art.

Zeitreise nach 1943. Rifka, ein sechs Jahre altes Mädchen aus Volos in Thessalien, findet Zuflucht in einer Höhle nahe des Dorfes Kryoneri. Sie muss sich verstecken vor den Nazis und die griechischen Partisanen helfen ihr dabei. Zwischen Oktober 1943 und Oktober 1944 sind ein Wohnhaus und die Höhle im Wald ihre Zuflucht. Die Dorfbewohner bringen sie und andere dorthin, wann auch immer sich die deutschen Streitkräfte der Gegend nähern. Nach Ende der Nazibesatzung, geht sie mit ihrer griechisch-jüdischen Familie nach Israel.

74 Jahre später, am 6. September 2017, kehrt Rifka zurück. Mit dabei hat sie 70 Angehörige, Kinder, Enkelkinder und Freunde aus Israel, denen sie den Ort zeigen will. Rifkas Kinder waren es, die die mehr über die Familiengeschichte erfahren wollten. Sie suchten das griechische Dorf bei Korinth und machten sich kurzerhand im Juni 2016 auf die Reise dorthin. Dabei entschied sich die Familie, dass es an der Zeit sei, den Dorfbewohnern etwas zurückzugeben: Zusammen mit den lokalen Behörden sorgten sie dafür, dass das Amphitheater renoviert wird, damit es als kultureller Anker wieder fest im Dorf verwurzelt ist. Eine Geste des Dankes.

Jugendgruppen machten Weg zur Höhle begehbar
Damit Rifka die versteckte Höhle ihrer Familie zeigen konnte musste der verwucherte Pfad der vom Dorf in den Wald führte von Gestrüpp und kleinen Bäumen befreit werden. Griechische und deutsche Jugendliche, die für die Jugendbegegnung des Vereins Lucky Luke e.V. Bonn-Buschdorf und vom griechischen Partner Filoxenia in Kryoneri zusammen gekommen waren, sorgten gemeinsam dafür, dass der Weg begehbar wurde. Auf Hochtouren arbeiteten die zehn deutschen Jugendlichen und die griechischen Jugendlichen außerdem an einem Mosaik an der Außenwand des Begegnungszentrums im Dorf – extra vom Schulunterricht befreit für die Jugendbegegnung wurden fünf Jugendliche des Tannenbusch Gymnasiums Bonn.

Schon im Vorfeld der Begegnung hatten die Jugendlichen Gelegenheit gehabt, Kontakt miteinander aufzunehmen. Sie hatten von sich Kurzbeschreibungen angefertigt. Mit zwei Vorbereitungstreffen bereiteten sich die Bonner Jugendlichen intensiv auf die Reise nach Griechenland vor: Ein Treffen fand in der Gedenkstätte für die Bonner Opfer des Nationalsozialismus statt. Astrid Mehmel, die Leiterin der Gedenkstätte, erläuterte den Jugendlichen dabei, wie die Bonner der Opfer der NS-Zeit gedenken.

Den Blick nach vorne gerichtet
Auf dem Peloponnes angekommen, sprachen die Jugendlichen über die aktuelle Situation im  Land und in ganz Europa und entwickelten ihre Visionen. Themen waren natürlich die Krise in Griechenland und die hohe Jugendarbeitslosigkeit: Trotz deutlich weniger Verdienst sind die Lebenshaltungskosten in Griechenland nicht niedriger als in Deutschland – das wurde bei einer Ortserkundung im Minimarkt und beim Metzger deutlich sichtbar. Auch das Thema Reparationsleistungen und der Umgang mit der Zwangsanleihe wurden diskutiert. Wichtig war den Jugendlichen, dass diese Diskussionen, die geführt werden müssen, nicht die Austauschprogramme und Begegnungsmöglichkeiten verhindern.

Auch sollte etwas konkretes, etwas sichtbares aus der Jugendbegegnung entstehen: Schnell gelang es, sich auf ein Mosaikmotiv zu verständigen, das auf der Außenwand des Begegnungszentrums in Kryoneri entstand: Der Stier, mit „Europa“ auf den Hörnern, wurde das gemeinsame Motiv, angelehnt an die griechische Mythologie. Abdou Diatta, Projektleiter der Jugendbegegnung, setzte die Unterglasmalerei als Technik aus dem Senegal ein, um das Mosaik herzustellen. Mit Hilfe der ganzen Gruppe gelang es, das Kunstwerk in nur drei Tagen fertigzustellen – dabei wurde kein Halt gemacht vor der mittäglichen Sonnenhitze.

Neben all der Arbeit an dem Kunstwerk und dem historischen Besuch blieb auch Zeit für die Besichtigung von Akrokorinth und einen Ausflug nach Athen – und natürlich zur Entspannung am Meer. Abends gab es dann jeweils einen deutschen und einen griechischen Abend und auch danach saß man noch lange zusammen und brachte sich gegenseitig Spiele und die jeweils andere Sprache bei. Schon in den deutschen Herbstferien findet dann die Rückbegegnung in Bonn statt.

Finanziell unterstützt wurde die Jugendbegegnung durch Sondermittel des BMFSFJ und von der Stadt Bonn; der Bonner Verein für Jugendförderung hat die Beantragung des Jugendaustauschs übernommen.

Text: Lisa Brüßler und Martin Hermann
Fotos: Lucky Luke e.V. Bonn
Video: Florian Onderka

Mehr dazu:
Bericht von Felina Lottner zum vorangegangenen Fachkräfteaustausch im Mai 2015 auf Agorayouth hier
Kurzes Interview vom 2. Deutsch-Griechischen Jugendforum mit Martin Hermann und Panos Poulos hier

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