Warum ein Deutsch-Griechisches Jugendwerk? (3)

Bereits 2014 wurde der Grundstein für ein Deutsch-Griechisches Jugendwerk gelegt. Ende April gehen die Regierungsgespräche zu einem Deutsch-Griechischen Jugendwerk in die nächste Runde. Zeit nachzufragen: Warum überhaupt ein Deutsch-Griechisches Jugendwerk? Akteure aus Politik und Jugendaustausch aus beiden Ländern geben Antworten – im letzten Teil unserer Umfrage.

Markus Ingenlath@LaurenceChaperon

Markus Ingenlath, DFJW. Foto: Laurence Chaperon.

„Die Aufnahme eines Deutsch-Griechischen Jugendwerks in den Kreis der Fach- und Förderstellen der Internationalen Jugendarbeit in Deutschland ist ein wichtiges Signal an unsere Nachbarn und Freunde in den südlichen Ländern Europas. Vor dem Hintergrund der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Europa kann die Bedeutung des interkulturellen Lernens nicht hoch genug geschätzt werden. Der Sprach- und Kulturaustausch zwischen jungen Menschen unterschiedlicher Herkunft trägt nämlich maßgeblich dazu bei, dass Europa zusammenwächst und der europäische Geist nachhaltig gestärkt wird. Gleichzeitig ist der Status einen „Jugendwerks“ untrennbar mit dem Dialog auf Augenhöhe und einer engen Verzahnung unterschiedlicher Instanzen verbunden. Jugendwerke arbeiten in gemischten Teams und durchgängig mit zwei Arbeitssprachen. Zudem sind sie autonom in der Mittelverwaltung und regierungsunabhängig. Mit dieser Verantwortung richtig umzugehen will gelernt sein und bedarf Erfahrung, Kompetenzen und nicht zuletzt einem starken politischen und gesellschaftlichen Rückhalt. Ein Jugendwerk ist auch Motor und Knotenpunkt für ein sehr viel größeres Netzwerk; es bringt Akteure aus ganz unterschiedlichen Fachgebieten zusammen, damit ein möglichst breitgefächertes Programmportfolio für ganz unterschiedliche Zielgruppen umgesetzt werden kann. Ein Jugendwerk ist also auch Kompetenzzentrum, das aus seiner Erfahrung und der seiner Partner schöpft, um dem internationalen Jugendaustausch immer neue Impulse zu verleihen.“
Dr. Markus Ingenlath, Generalsekretär des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW)

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Kelly Manoudi (rechts), Hellenic Youth Participation. Foto: agorayouth.

„Die Einrichtung eines Deutsch-Griechischen Jugendwerks ist von Bedeutung, weil es großen Bedarf auf beiden Seiten gibt, die gemeinsame Vergangenheit zu verstehen, die Erinnerung lebendig zu halten, voneinander zu lernen und die Zukunft gemeinsam zu planen und zu gestalten. Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Institution jungen Menschen neue und vergrößerte Möglichkeiten offeriert, nicht nur für ihre Karrieren, sondern vor allem darin, zu lernen tolerant zu sein und gut in einer multikulturellen Gesellschaft zu leben.“
Kelly Manoudi, International project coordinator Hellenic Youth Participation

 

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Manfred von Hebel, JUGEND für Europa. Foto: agorayouth.

„Ein Deutsch-Griechisches Jugendwerk hätte vor allem den Vorteil eines stabilen, verlässlichen und auf Kontinuität ausgerichteten Rahmens für die Zusammenarbeit der Akteure auf beiden Seiten und auf allen Ebe.nen. Für die zahlreichen zivilgesellschaftlichen Organisationen und Einrichtungen, die sich seit langem in diesem Feld bewegen, würde die Schaffung einer entsprechenden Struktur eine wesentliche Erweiterung und Absicherung ihrer Handlungsmöglichkeiten bedeuten. In der jugendpolitischen Zusammenarbeit zwischen beiden Länder steckt viel bisher ungenutztes Potential. Nicht nur im Bereich der Erweiterung von Mobilitätsmöglichkeiten für junge Menschen, sondern insbesondere in den Möglichkeiten der Weiterentwicklung von Jugendarbeit auf europäischer Ebene, zum Aufbau von Kapazitäten und zur Unterstützung einer strukturellen Entwicklung. Schon jetzt wird deutlich, dass die zunehmend intensive Kooperation auf unterschiedlichen Ebenen die Zusammenarbeit erleichtert und verbessert. Im Bereich der Umsetzung des Programms Erasmus+ JUGEND IN AKTION hat sich die Kooperation und Abstimmung zwischen den beiden Agenturen deutlich stabilisiert, vor allem aber nicht nur in der Vorbereitung und Gestaltung der deutsch-griechischen Jugendforen. Ein Jugendwerk als zwischenstaatliche Institution würde den erfolgreich eingeschlagenen Weg bestätigen und die Zusammenarbeit nachhaltig festigen.“
Manfred von Hebel, Stellvertretender Leiter JUGEND für Europa, Nationale Agentur für das EU-Programm Erasmus+ JUGEND IN AKTION

 

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Dora Dace Zaime (ganz links) vom Youth Center of Epirus. Foto: agorayouth.

„Ich glaube fest an die Wichtigkeit eines strukturierten Dialogs zwischen der Jugend und den Jugendarbeitern in Deutschland und Griechenland, um unsere Denk- und Arbeitsweisen internationaler zu gestalten. Junge Menschen aus europäischen Ländern sollten weiter und stärker unterstützt werden was Informationsquellen angeht, um offen zu sein für europäische Lern- und Mobilitätserfahrungen, aber auch um ihren europäischen Gleichaltrigen näher zu kommen. Für Jugendarbeiter hier würde ein Deutsch-Griechisches Jugendwerk vor allem erweiterte Perspektiven und Möglichkeiten und ganz generell verbesserte Ergebnisse und Folgen ihrer Arbeit bedeuten.“
Dora Dace Zaime, Youth Center of Epirus

 

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Phedon G. Codjambopoulo. Foto: privat.

„Nicht nur in Zeiten der Krise sind bilaterale Institutionen und Organisationen sehr wichtig für den Ausbau und die Vertiefung von Freundschaften und Völkerverständigung. Dabei kann die Jugend eine sehr wichtige Rolle spielen. Um das zu unterstützen und zu institutionalisieren haben sich die Regierungen von Deutschland und Griechenland verpflichtet, das Deutsch-Griechische Jugendwerk zu etablieren. Ein Jugendwerk, das in vielerlei Hinsicht zu einer erfolgreichen Partnerschaft führen kann: in Schul- und Hochschulaustauschen, freiwilligen oder Pflichtpraktika, Jugendbegegnungen rund um Sport, Kultur oder Wissenschaft, Sprachkursen, interkulturellen Aus- und Fortbildungen, etc. Die Deutsch-Hellenische Wirtschaftsvereinigung (DHW) hat von Beginn an, an das Deutsch-Griechische Jugendwerk geglaubt und dieses tatkräftig unterstützt. Mit dem Projekt Beruf.Kennen.Lernen haben wir ein Pilotprojekt durchgeführt, um aufzuzeigen, wie wichtig das DGJW in den Bereichen der beruflichen Ausbildung und Qualifizierung und des Austausches von Erfahrungen in gleichen Berufen hier und dort wirken kann. Fachkräftemangel in Deutschland und hohe Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland könnten von bilateralen Projekten im Rahmen des DGJW profitieren. Projekten, die später den Aufbau von überlebens- und wettbewerbsfähigen kleinen und mittleren Betrieben oder Start Ups in Griechenland begünstigen könnten.“
Phedon G. Codjambopoulo, Präsident der Deutsch-Hellenischen Wirtschaftsvereinigung, Köln

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Konstantinos Spatiotis während eines Trainings. Foto: privat.

„Es ist eine Herausforderung, den positiven Einfluss einer solchen Institution zusammenzufassen. Man muss dafür auf bereits bestehende, ähnliche Initiativen schauen und diejenigen fragen, die davon profitiert haben. Für mich ist das geplante Deutsch-Griechische Jugendwerk eine Art „Erasmus+“-Programm zwischen zwei Ländern, die sich in sehr vielen Aspekten stark unterscheiden. Aber wenn es um junge Menschen geht, spielen die Ähnlichkeiten eine viel größere Rolle als die Unterschiede. Nutzen wir bereits das volle Potential von Erasmus+? Ich würde gern denken, dass wir dem jedes Jahr etwas näher kommen. Warum nenne ich das Programm hier überhaupt? Weil es institutionalisiert ist und damit sind wir bei meinem Argument für eine stabiles Fundament für ein Deutsch-Griechisches Jugendwerk. Nur die Institution ist in der Lage, das Engagement der Regierungen zu verstärken, das nachhaltige Fortbestehen zu sichern, aber auch die Qualität des Managements, der Projekte – der Arbeit insgesamt– über ein bestimmtes Level von Standardisierung, eine gemeinsame Vision, Konzepte und Transparenz. Arbeit für und mit jungen Menschen kann nicht ohne Jugendarbeit stattfinden: Sie ist ein Langzeitprozess, der Zeit, Methodologie, Wiederholungen und eine stimmige Präsenz braucht, um eine echte Referenz für Jugendliche zu werden. Ein loser Zusammenschluss könnte die kritischen Faktoren, Nachhaltigkeit und Langlebigkeit, des Jugendaustauschs erschweren und damit auch die positiven Auswirkungen zwischen der Jugend in beiden Ländern und den Aufbau von Kapazitäten von Organisationen aus dem Feld. In anderen Worten: Wenn wir die Jugend und ihre Ansprüche auf Selbstverwirklichung ernst nehmen, wenn wir annehmen, dass die Zukunft der Deutsch-Griechischen Beziehungen von ihnen gestaltet wird, wenn wir daran glauben, dass beide Seiten von den Vorteilen der Kulturen, Philosophien, Organisationen und Persönlichkeiten lernen können, muss dieses bilaterale Programm gefördert und geschützt werden. Was wäre dafür besser geeignet als ein gemeinsam geführtes Jugendwerk, das von seiner Zielgruppe, der Jugend aus Deutschland und Griechenland, co-geleitet wird?“
Konstantinos Spatiotis, Youth Worker, Youth Consultant (Non Formal/Experiential Learning Facilitator, SALTO SEE & Hellenic Erasmus + Youth Pools of Trainers, SALTO Participation & Information Think Tank

 

Hier geht es zum ersten Teil der Umfrage und hier zum zweiten Teil.

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2 Gedanken zu “Warum ein Deutsch-Griechisches Jugendwerk? (3)

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