Warum überhaupt ein Deutsch-Griechisches Jugendwerk…? (1)

Bereits 2014 wurde der Grundstein für ein Deutsch-Griechisches Jugendwerk gelegt. Knapp sechs Monate vor dem 3. Jugendforum in Köln gehen die Regierungsgespräche zu einem Deutsch-Griechischen Jugendwerk Ende April in die nächste Runde. Zeit nachzufragen: Warum überhaupt ein Deutsch-Griechisches Jugendwerk? Akteure aus Politik und Jugendaustausch geben Antworten – Teil 1 der Umfrage.

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Friedrich Kersting (ganz rechts) während seines Freiwilligendienstes in Athen. Foto: privat

„Ein Jugendwerk als internationale, zwischenstaatliche Organisation verbinde ich mit der nachhaltigen Versöhnung und Verständigung über die geteilte Geschichte, mit aktiver Jugend und Zivilgesellschaft und mit dem gemeinsamen Engagement für ein gerechteres und solidarischeres Europa in Zukunft. Genau so ein Jugendwerk scheint das richtige für die deutsch-griechischen Beziehungen, die jungen Menschen beider Länder und deren gemeinsamen Perspektiven zu sein. Dieser Zugang zu persönlichem Austausch und Erfahrungen, wie ich sie auch selbst erlebt habe, sind der beste Weg zum Abbau von gegenseitigen Vorbehalten und zum Aufbau von beiderseitigem Vertrauen und Verständnis.“
Friedrich Kersting, Politikwissenschaftler und ehemaliger Freiwilliger im Projekt ElanDe der Evangelischen Freiwilligendienste, der Evangelischen Kirche Deutscher Sprache in Athen und der Apostoli 

 

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Jens Bastian bei einem Seminar der Vollmar-Akademie im Dezember 2017 in Kochel am See. Foto: agorayouth.

„Die bilateralen Regierungsgespräche zur festen Etablierung eines Deutsch-Griechischen Jugendwerks gehen nun in die entscheidende Runde. Es ist viel diskutiert worden. Vorschläge aus Athen und Berlin, aus Ministerien und NGOs wurden kontrovers hin und her gewogen. Nun wird es Ernst. Es geht um die Umsetzung des politischen Willens auf beiden Seiten.
Das geplante Deutsch-Griechische Jugendwerk ist eine große Chance, die laufenden Reparaturarbeiten im bilateralen Verhältnis einen weiteren Schritt voranzubringen. Jene, die am wenigsten für die Krise im deutsch-griechischen Verhältnis verantwortlich sind, verdienen eine veritable Zukunftschance. Das gemeinsame Jugendwerk ist ein wichtiger Beitrag dazu.“
Jens Bastian, Independent Financial Sector Analyst & Economic Consultant

 

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Thomas Thomer beim 2. Deutsch-Griechischen Jugendforum in Thessaloniki. Foto: agorayouth.

„Deutschland und Griechenland verbindet viel. Ein Deutsch-Griechisches Jugendwerk (DGJW) leistet einen großen Beitrag für die deutsch-griechische Freundschaft. Die Gründung des DGJW ist ein wichtiges jugendpolitisches Vorhaben und als Signal der europäischen Solidarität bereits jetzt vielfältig verankert. So wurden in Folge Vereinbarungen der Staatspräsidenten, der Außenminister und der für Jugendfragen zuständigen Fachminister zu diesem gemeinsamen Vorhaben getroffen, bzw. bestärkt. Ein Jugendwerk ist eine besondere Institution. Es gibt bisher nur zwei Einrichtungen dieser Art, mit Frankreich und Polen. Dies unterstreicht die besondere Bedeutung eines Deutsch-Griechischen-Jugendwerks. Nur ein Jugendwerk, als eine regierungsunabhängige internationale/zwischenstaatliche Organisation bietet Gewähr für

  • eine gleichberechtigte Zusammenarbeit auf Augenhöhe,
  • Kontinuität und gesicherte Finanzierung,
  • gleiche Zugangsmöglichkeiten und gleiche Förderbedingungen für alle Teilnehmenden aus beiden Ländern,
  • den Aufbau von längerfristigen Partnerschaften zwischen deutschen und griechischen zivilgesellschaftlichen Akteuren,
  • abgestimmte Formate der Programmarbeit, Informations-, Vernetzungs- und Qualifizierungsangebote, Innovationsförderung und historisch-politische Bildung zur Steigerung der Qualität des Jugendaustauschs,
  • ein ausgewogenes Teilnehmerverhältnis und

die Wahrnehmung der Einrichtung in beiden Ländern als Einheit, als wichtiger Akteur im deutsch-griechischen Verhältnis und als anerkannte Marke mit entsprechender  Strahlkraft.“
Thomas Thomer, Unterabteilungsleiter in der Abteilung Kinder und Jugend im BMFSFJ

 

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Anja Hack. Foto: privat

„Seit 2014 konnte ich an zahlreichen inklusiven Begegnungen mitwirken, durch Organisation eigener non-formaler Bildungsprojekte oder Unterstützung im Netzwerk. Es ist erfreulich, dass das Engagement zivilgesellschaftlicher Akteure im inklusiven Bereich des deutsch-griechischen Jugendaustauschs stetig anwächst. Inklusion bedeutet für uns nicht nur Diversität, Vermittlung von erlebnisorientierten Lernfeldern, demokratische Partizipation und Sich-Austauschen auf gleicher Augenhöhe. Es bedeutet auch, Barrieren zu erfahren und gemeinsam überwinden zu können. Eine ‚Barrierefreiheit‘ im übertragenen Sinn wünsche ich mir von dem Deutsch-Griechischen Jugendwerk, einer unabhängigen Institution ‚für alle‘, die effektiv, synergetisch und nachhaltig tätig wird – und die Vielfalt der Menschen in Deutschland und Griechenland initiiert, finanziert und unterstützt.“
Anja Hack, DiplWjur und Projektleiterin für inklusive internationale Austauschprojekte

 

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Thanasis Tsaldaris. Foto: G2RED.

„Ein Deutsch-Griechisches Jugendwerk ist von großer Wichtigkeit für die Zivilgesellschaft Griechenlands. Die beiden Länder sind zwar sehr unterschiedlich, aber sie stehen auch vor Gemeinsamen Herausforderungen, die eine verstärkte Kooperation nötig machen. Damit meine ich nicht nur die Flüchtlingskrise und Phänomene wie Euroskeptizismus, sondern auch die Radikalisierung von Jugendlichen. Auch die Skepsis zwischen unseren beiden Ländern hat in den Jahren der Krise zugenommen und hat unsere traditionell guten Beziehungen fast zum Erliegen gebracht. Jugendaustauschprogramme bieten eine ausgezeichnete Möglichkeit für einen kraftvollen Neustart.“
Thanasis Tsaldaris, Projektmanager bei Generation 2.0 For Rights, Diversity& Equality in Athen

 

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Monika Berg. Foto: FES Athen.

„Die Projekte zum Jugendaustausch zwischen Griechenland und Deutschland, die wir durchgeführt haben, waren eindeutig Highlights meiner bisherigen Arbeit. Junge Menschen haben weniger Berührungsängste, gehen spontan aufeinander zu und sind eher dazu in der Lage, eigene Stereotype und Vorurteile zu revidieren. Insbesondere unsere Projekte zum Themenkomplex ‚Zweiter Weltkrieg und Vergangenheitsbewältigung’ haben das Bewusstsein für und den Blick auf die jeweils eigene Geschichte geschärft. Es erweitert den Horizont erheblich, wenn man die eigene historische Vergangenheit durch die Brille eines anderen Landes betrachtet. Und schafft damit die Basis für Toleranz, Verständnis und ein friedlicheres Miteinander.“
Monika Berg, Friedrich Ebert Stiftung Athen

 

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Vicky Douka. Foto: agorayouth.

„Von wem und wie wird griechischer Gyros-Pita gemacht? Und sind die Deutschen wirklich Kannibalen, weil sie Berliner, Krakauer oder gar Hamburger im globalen Sandkasten essen? Die Sprachanimation, Sport-Spiel/Bewegung sowie Kultur-Raffinessen wirken komplementär zueinander und unterstützen die Jugend bei der Entdeckerfreude und Gestaltungslust im analogen wie digitalem Austausch-Raum des 21.Jahrhunderts, was ein wesentlicher Bestandteil der Europäisierung und Völkerverständigung ist. Den meisten „Work-Campern“ oder auch „Work-Trendsettern“ gefällt es, zusammen mit anderen eine Sache anzupacken und weiterzubringen. In Wäldern, auf Feldern, beim Bauen von Straßen und Häusern oder in Kindergärten und Schulen arbeiten sie zusammen und unterstützen gesellschaftlich oder sozial wichtige Projekte und schnuppern in die Berufswelt. Dabei lernt jeder Mitwirkende sich selbst, andere und Land sowie Leute aus einer ganz neuen Perspektive kennen. Das Voranbringen des Deutsch-Griechischen Jugendwerks sollte aus Interesse und Engagement für die Umwelt, für ein Kulturprojekt oder für die Friedensarbeit zur Priorität werden.“
Vicky Douka, Vorstandsmitglied und Jugendbeauftragte der VDGG e.V. bundesweit

Hier geht es zum zweiten Teil der Umfrage und hier zum dritten Teil.

Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

2 Gedanken zu “Warum überhaupt ein Deutsch-Griechisches Jugendwerk…? (1)

  1. Es wird mal wieder viel zu viel geredet und viel zu wenig bewegt. Die Jugendlichen beider Länder sind gut informiert und haben nach meinen Erfahrungen keine Berührungsängste. Mir persönlich wäre es wichtig die Jugendlichen bei der Berufsfindung und einer fundierten Ausbildung zu unterstützen statt die Vergangenheit aufzuarbeiten.

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    • Hallo Frau Thiele,
      danke für Ihren Kommentar! Das eine schließt das andere aber auch nicht unbedingt aus, oder?
      Erinnerungsarbeit ist für viele Menschen ein wichtiger Teil im DGJW.
      Viele Grüße

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