Nikolas Karanikolas ist einer der beiden deutschen Jugenddelegierten der United Nations und Halbgrieche. Auf dem Barcamp sprach er über seine Beziehung zu Griechenland und warum jedes Land das Jugenddelegierten-Programm braucht.

Einmal vor den Vereinten Nationen in New York sprechen – diese Gelegenheit bekommen die Jugenddelegierten zur Generalversammlung der Vereinten Nationen. In einem Workshop auf dem Deutsch-Griechischen Barcamp haben die beiden deutschen Jugenddelegierten Josephine Hebling und Nikolas Karanikolas sich und das Jugenddelegiertenprogramm vorgestellt und gemeinsam mit den Teilnehmenden Forderungen vorbereitet.

Den deutschen und griechischen Jugendlichen brannten vor allem die Themen Umweltschutz und die Rechte von Geflüchteten unter den Nägeln. Mit Blick auf Griechenland stellen die Jugendlichen klar, dass jedes Land, das Mitglied bei den Vereinten Nation ist, auch ein Recht auf ein Jugend-Delegiertenprogramm habe. Von den 193 Ländern, die Teil der UN sind, haben gerade einmal 40 ein Jugenddelegiertenprogramm – Griechenland gehört nicht dazu. 

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Eine griechische Jugenddelegation etablieren
Josephine und Nikolas betonten, dass sie gern helfen würden, ein solches Programm auch in Griechenland zu etablieren. „Viele Entscheidungen in den Vereinten Nationen werden für morgen getroffen – allerdings von Menschen, die von morgen gar nicht mehr so viel mitbekommen werden. Ihr habt ein Recht darauf, bei den UN repräsentiert zu werden“, sagte Nikolas Karanikolas den jungen Griechen. 

Der 20-Jährige studiert an der Universität Frankfurt am Main die Fächer Politik und Wirtschaft sowie Philosophie auf Lehramt. Nikolas ist selbst Halbgrieche und hatte dadurch schon öfter Berührungspunkte mit Griechenland. Die Errichtung eines Deutsch-Griechischen Jugendwerkes stimmt ihn optimistisch. 

3 Fragen an Nikolas Karanikolas, UN-Jugenddelegierter

Agorayouth: Wie hat dich Griechenland bisher in deinem Leben beeinflusst? 
Nikolas Karanikolas:
„Mein Vater ist Grieche, somit hat man familiär gesehen zwei Anlaufstellen, was sehr schön ist. Als ich Kind war, war gerade die Finanzkrise und die Beziehung zu Griechenland eher schlecht. Ich musste mir öfter Sprüche anhören wie: „Ey, Ich leih dir keinen Euro, den bekomme ich ja eh nicht zurück.“ Für mich war das schon eine Form von Rassismus.

Selbst von Schullehrern wurde ich angesprochen mit: „Äußere dich doch mal zu der Finanzkrise“ – als Fünftklässler. Da wusste ich noch nicht was eine Finanzkrise ist. Ganz auf Spurensuche bin ich dann gegangen, als ich in Griechenland einen Freiwilligendienst mit Geflüchteten gemacht habe. Wir sind sonst immer Urlaub bei der Familie gemacht. Aber in der Situation fand es einfach paradox am Strand zu liegen, während die Hölle los ist.“

Agorayouth: Wo hast du denn bei deinem Freiwilligendienst mitgearbeitet? 
Nikolas Karanikolas: „Ich habe auf der Insel Leros mit unbegleiteten, minderjährigen Geflüchteten gearbeitet für zwei Mal sechs Wochen. Da ich damals selbst noch Schüler war, musste ich das mit den Schulzeiten etwas abpassen, sonst hätte ich das gern noch länger gemacht. Wir haben zum großen Teil mit den Kleinen die Insel erkundet, Schwimmunterricht gegeben und mit ihnen ein bisschen Programm gemacht, weil es damals noch keine wirkliche Struktur gab. Man hat sie halt einfach dahin gestellt mit den Worten: „Du darfst hier nicht raus, aber was machen darfst du auch nicht.“

Agorayouth: Nach all den Erfahrungen, die du schon mit Griechenland gesammelt hast: Was sind deine Wünsche für das Deutsch-Griechische Jugendwerk? 
Nikolas Karanikolas: „Ich glaube, dass es zur Kommunikation unglaublich beiträgt, dass wir merken, wir sind nicht verschiedene Staaten, sondern überall nur Menschen mit gemeinsamen Interessen und einem gemeinsamen Raum. Ich glaube, dass es gerade in Zeiten des Nationalismus wichtig ist, beide Seiten zu sehen. Hier auf dem Barcamp entstehen auch Freundschaften. Man stößt etwas an, was dann eben wächst. Man wirft hier die Samen aus, begießt das von der Seite des Ministeriums mit der Infrastruktur und ich glaube, dass etwas Nachhaltiges daraus entsteht.“

Was macht ein Jugenddelegierter?
Als UN Jugenddelegierte/r bist du vielseitig unterwegs. Du reist durch ganz Deutschland. Auf deiner Tour besuchst du Jugendliche, um mit ihnen Workshops zu machen, über Politik zu diskutieren und Forderungen einzusammeln. Du bist im Familien- und Jugendministerium sowie im Auswärtigen Amt unterwegs. Dort sprichst du mit PolitikerInnen und Mitarbeitenden, um viel politisches und diplomatisches Know-How zu sammeln. Und schließlich bist du in New York bei den Vereinten Nationen, hältst eine Rede, sprichst mit Diplomaten, veranstaltest eine Podiumsdiskussion und verhandelst die Jugendresolution mit. Du sprichst mit Medien über deine Arbeit und deine Arbeit und betreust Jugenddelegierten-Seite und die Kanäle in den Sozialen Medien.

Interview: Maxi Köhler
Fotos: Christian Herrmann, Maxi Köhler

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