Im deutsch-griechischen Jugendaustausch hat sich 2018 einiges bewegt. Thomas Thomer, Unterabteilungsleiter im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erklärt im Jahresrückblick was bleibt, was kommt und welchen Wunsch er persönlich für den deutsch-griechischen Jugendaustausch hat.

Agorayouth: Herr Thomer, im letzten Jahr hat sich einiges bewegt was ein Deutsch-Griechisches Jugendwerk angeht. Über 250 deutsch-griechische Jugend- und Fachkräfteaustausche wurden durch das Sonderprogramm gefördert. Wo stehen wir jetzt nach vier Jahren Anbahnung eines DGJWs?
Thomas Thomer: Das letzte Jahr hat gezeigt, dass wir seit dem Beginn unserer Intensivierung des deutsch-griechischen Jugendaustauschs im Jahr 2014 im Rahmen der Gründung eines Deutsch-Griechischen Jugendwerks nicht nur quantitativ, mit etwa 130 Anträgen für Jugend- und Fachkräfteaustausche und ca. 4200 Teilnehmenden, sondern auch qualitativ unsere bilateralen Beziehungen noch weiter verbessert haben.

Agorayouth: In diesem Jahr gab es auch zwei Großveranstaltungen.
Genau. Mit der im Mai gemeinsam mit der griechischen Seite durchgeführten historisch politischen Konferenz „es war einmal. heute. Jugend im Fokus der deutsch-griechischen Beziehungen“ haben wir uns erstmals gemeinsam unserer Vergangenheit gewidmet. Das 3. Deutsch-Griechische Jugendforum im Oktober wurde erstmals vollständig bilateral vorbereitet, von einem deutsch-griechischen Team moderiert und von den über 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sehr positiv bewertet. Die gemeinsam gegründete „Arbeitsgruppe Sprachanimation“ konnte in mehreren Treffen neben einem Konzept auch neue Methoden für die Sprachanimation im deutsch-griechischen Jugendaustausch entwickeln. Und was die Gründung des Jugendwerks betrifft, sind wir im Oktober in Athen einen großen Schritt weitergekommen.

Agorayouth: Am 11. Oktober hat Bundesjugendministerin Giffey in Athen ein Abkommen mit der griechischen Seite zu einem Deutsch-Griechischen Jugendwerk gezeichnet. Im Anschluss gab es einige Verwirrung zu den Begrifflichkeiten: Können Sie erklären, was ein Abkommen zeichnen bzw. paraphieren genau bedeutet?Thomer: Unser gemeinsames Ziel war es, anlässlich des Treffens von Bundespräsident Steinmeier und des griechischen Präsidenten Pavlopoulos das Abkommen zu unterzeichnen. Die griechische Seite hatte bis zur letzten Minute Änderungswünsche zum Abkommenstext, so war es leider nicht mehr möglich, die in Deutschland vorgeschriebene Beteiligung der Bundesländer vor dem geplanten Unterzeichnungstermin abschließend zu vollziehen.

Die bis dahin erzielte Einigung war jedoch ein wichtiger Meilenstein in den Verhandlungen über das Abkommen, die man festhalten wollte. So konnte der Text des Abkommens am 11. Oktober durch die Bundesministerin Dr. Franziska Giffey und den Generalsekretär Pafsanias Papageorgiou “nur“ gezeichnet werden. Das mehrteilige Beteiligungsverfahren der Bundesländer läuft derzeit und wir werden die Ergänzungswünsche der Länder zeitnah mit der griechischen Seite besprechen, um das Abkommen schnellstmöglich fertigzustellen und zu unterzeichnen.

Agorayouth: Ende Oktober hat dann das dritte Deutsch-Griechische Jugendforum in Köln stattgefunden. Köln als Partnerstadt Thessalonikis war im Gespräch dafür, künftiger Sitz eines Deutsch-Griechischen Jugendwerks zu werden. Nun wurde am 11. Oktober in Athen verkündet, dass es das ostdeutsche Leipzig wird. Wie kam es dazu?
Thomer: Bundesministerin Dr. Franziska Giffey möchte mit der Ansiedlung dieser internationalen Organisation in Ostdeutschland ein Zeichen für die europäische Idee setzen und den europäischen Gedanken, der nicht mehr überall dort präsent ist und gelebt wird, sichtbar machen.

Agorayouth: Der Bundestag hat Ende November Mittel für die Fortführung des Sonderprogramms zur Verfügung gestellt. Wie sind die nächsten Schritte zur Anbahnung eines Jugendwerks?
Thomer
: Wir werden den Abkommenstext, als Grundlage für alle weiteren erforderlichen Vereinbarungen der beiden Regierungen, möglichst schnell finalisieren und unterzeichnen. Parallel haben wir bereits begonnen, die für eine regierungsabhängige Organisation erforderlichen Regelwerke, wie das Personalstatut und die Finanzordnung, zu fertigen, die im nächsten Jahr fertiggestellt werden sollen. Wenn auch die griechische Seite ihren Sitzort des Jugendwerks festgelegt hat, wollen wir die Leitung des Jugendwerks auswählen und das Aufsichtsgremium berufen.

Agorayouth: Und wie geht es weiter mit dem Sonderprogramm im Jahr 2019?Thomer: Fördertechnisch ändert sich für das Jahr 2019 für die deutschen Antragstellerinnen und Antragsteller nichts: Das Sonderprogramm wird wie in diesem Jahr fortgeführt.

Agorayouth: Weil ja bald Weihnachten ist: Wenn Sie einen Wunsch für die deutsch-griechische Zusammenarbeit frei hätten, welcher wäre das?
Thomer: Ich wünsche mir, dass alle, die uns in dem langwierigen, nicht immer einfachen Prozess der Gründung des Deutsch-Griechischen Jugendwerk und der Intensivierung des Austausches seit 2014 unterstützen, in ihrem Engagement nicht nachlassen. Es ist das Verdienst vieler Menschen, die sich für das Zusammenwachsen unserer Gesellschaften engagieren. Von ihrem Einsatz und ihrer Arbeit leben die grenzüberschreitenden Kontakte zwischen Griechenland und Deutschland und damit auch das künftige Deutsch-Griechische Jugendwerk.

Herr Thomer, vielen Dank für diese kleine Jahresbilanz!

Ein Gedanke zu “Jahresbilanz 2018 und Ausblick

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