Als zukünftiger deutscher Standort für das Deutsch-Griechische Jugendwerk kommt Leipzig eine besondere Rolle in Jugendaustauschprogrammen zwischen den beiden Ländern zu. Auf dem 3. Deutsch-Griechischen Jugendforum stellte Jessica Reinsch vom soziokulturellen Zentrum – Die Villa zwei Pilotprojekte der internationalen Jugendarbeit aus der ostdeutschen Stadt vor.

„Wir weit weg“: Jugendliche organisieren Erasmus-Austausche
Seit 2015 organisiert die Kindervereinigung Leipzig e.V. mit ihrem Projekt „Wir weit weg“ über Erasmus+ internationale Jugendbegegnungen an mittlerweile sieben Schulen. Das Besondere dabei: Schüler werden aktiv in alle Planungsprozesse eingebunden. „Wir weit weg“ richtet sich an Jugendliche, die an ihrer Schule einen Abschluss nach der zehnten Jahrgangsstufe machen. Je zwei ehrenamtliche Coaches werden pro Schule eingesetzt. Gemeinsam mit den Jugendlichen suchen sie ein Projekt-Thema, zum Beispiel Recycling, Hip-Hop, Essen oder auch geschichtliche Aufarbeitung und ein europäisches Land aus, in dem die Jugendbegegnung stattfinden soll. Die Schüler erstellen dabei eigene Activity-Pläne und ihre Coaches achten auf die Vorgaben für den Erasmus-Antrag. Wichtig für das Projekt ist der Peer-to-Peer-Ansatz: Zwischen Coaches und Jugendlichen soll eine Vertrauensbasis und keine Hierarchie stehen. Während der Reise in das Austauschland sind die Coaches dann ohne zusätzliche Betreuung durch Lehrkräfte mit den Jugendlichen unterwegs.

Balance zwischen Freizeitaktivitäten und lehrreichen Inhalten
„Wenn man Jugendlichen Freiraum lässt, zu entscheiden, wollen die meisten nach Spanien, Italien oder Griechenland – dahin wo es Strände gibt“, berichtet Reinsch, die selbst als Coach in dem Projekt tätig war, auf Nachfrage. Die Idee von Jugendbegegnungen müsse über ein Schuljahr entwickelt werden und die Coaches verschiedene Länder vorstellen, um während der Reise einen lehrreichen Ansatz mit der Freizeitgestaltung verbinden zu können.

„Leicht geht das“, antwortet Jessica Reinsch auf die Frage, wie gut sich ein Jugendaustausch etwa mit dem Thema Recycling umsetzen lasse. Sie hält ihren rechten Arm mit einem Armband hoch: Es ist aus einer alten Gabel gefertigt. Schülerinnen und Schüler bekämen Ideen vorgeschlagen, etwa alte Materialien, aus denen sie Geschenke basteln können. „Die Schüler entscheiden nach ihren Interessen. Dann schaut man, ob so eine Jugendbewegung entstehen kann“, erklärt sie den BarCamp-Teilnehmern.

Los gehts nach Griechenland
Die Vernetzung mit anderen Organisationen ist bei den Projekten noch ausbaufähig. „Wir wünschten, wir wären vernetzter“, sagt Reinsch. Die Grundidee von Projekten wie „Wir weit weg“ sei in Sachsen entstanden. Wünschenswert sei, dass sich andere Träger und Bundesländer inspirieren lassen. Zukünftig sind verstärkt Jugendbegegnungen mit Griechenland denkbar. Als Ort biete sich Thessaloniki als Partnerstadt von Leipzig an. Und auch in Griechenland gibt es Initiativen, ähnliche Projekte an Schulen zu realisieren.

Mittlerweile befindet sich „Wir weit weg“ nach dem vorläufigen Abschluss 2016 schon in der zweiten Phase. Die Finanzierung ist noch bis 2019 gedeckt. Um eine finanzielle Förderung darüber hinaus zu erreichen, sind alle Hebel in Bewegung gesetzt. Für die Schulen seien die Projekte ein Aushängeschild, sagt Reinsch. Und weiter: „Durch „Wir weit weg“ ist das Bewusstsein für internationale Jugendarbeit auf jeden Fall gestiegen.“

EuropaLokal: Angebote in offenen Jugendzentren machen
Ein weiteres Best Practice aus Leipzig ist EuropaLokal vom soziokulturellen Zentrum die Villa. Unter dem Titel „Solidarity connectEurope – New pathways of Youth Work“ ermöglicht das zunächst auf zwei Jahre angelegt Großprojekts Jugendlichen in offenen Kinder- und Jugendtreffs internationale Begegnungen. Erasmus+ stellte für dafür fast 200.000 Euro zur Verfügung. Davon wurden in Leipzig zwei neue Stellen geschaffen und Anträge für insgesamt 17 Jugendbewegungen in fünf Ländern gestellt.

Bei den Jugendzentren ergebe sich, gerade im Vergleich zu Schulen, die Schwierigkeit, konstante Gruppen von Jugendlichen zu erreichen und Verbindlichkeiten zu schaffen. Viele Jugendliche besuchen die offenen Jugendtreffs nicht regelmäßig oder wollen sich zeitlich nicht für ein Projekt verpflichten. Trotzdem wurden drei Jugendbegegnungen erfolgreich organisiert. Die Ergebnisse des Modellprojekt sollen nach zwei Jahren evaluiert werden, erklärt Reinsch.

Text und Foto: Yasmin Janclaes

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