Die Frau braucht für ihre Berufsberatung keinen Schreibtisch. Auf dem Schulhof hilft Panagiota Styliara, wo sie nur kann. „Gemeinsam haben wir überlegt, welcher technische Beruf für den Freund meines Sohnes passen könnte“, erzählt die Deutsch-Griechin. Sie verständigte sich sofort mit der Deutsch-Hellenischen Wirtschaftsvereinigung (DHW). Und nun könnte es mit einem Praktikum in einer Kfz-Werkstatt klappen.

Für die Ehrenamtliche ist es selbstverständlich zu helfen – doch bei der DHW steckt eine Strategie dahinter. Über die Eltern wollen sie Jugendliche besser erreichen. „Die Eltern können so etwas viel überzeugender vermitteln als jeder normale Berufsberater“, sagt Christina Alexoglou-Patelkos von der DHW. Bei ihrem Projekt KAUSA geht es darum, den Jugendlichen die berufliche Ausbildung näherzubringen. Der Bedarf ist groß: Laut Industrie- und Handelskammer Rhein-Sieg sollen bis 2030 an die 42.000 Fachkräfte aus der dualen Ausbildung fehlen. Und das allein im Bonner Raum.

„Wer eine Ausbildung macht, gilt als gescheitert“

Viele griechische Teilnehmer auf dem Deutsch-Griechischen Jugendkongress interessierten sich für das KAUSA-Projekt (siehe Foto), circa ein Fünftel drängte sich in den kleinen Besprechungsraum der DHW in Köln. Denn in Griechenland ist es verpönt eine Ausbildung zu machen, nach der Schule drängen viele der Jugendlichen an die Unis. „Wer sich in Griechenland für die berufliche Bildung entscheidet, gilt als gescheitert“, sagt einer der Teilnehmer. Und daran müsse sich etwas ändern.

„Viele Jugendliche haben das System gar nicht richtig verstanden“

In dem KAUSA-Projekt muss die DHW ebenfalls Aufklärungsarbeit leisten. „Viele Jugendliche haben das System gar nicht richtig verstanden“, sagt Georgia Tsitsi von der DHW. Mit ihrem Projekt wollen sie speziell Jugendliche mit Migrationshintergrund beraten und unterstützen. Das Projekt richtet sich dabei nicht nur an Griechen, sondern an alle Migranten. Wie viele von den betreuten Jugendlichen aus Griechenland kommen, erheben die Berater nicht. Insgesamt ist die Deutsch-Hellenische Wirtschaftsvereinigung auf der Bonner Straße in Köln jedoch für zahlreiche Griechen eine Anlaufstelle, da sie sich dort besser verständigen können.

Das Projekt besteht aus verschiedenen Bausteinen – alle mit dem Ziel mehr Jugendliche mit Migrationshintergrund in eine berufliche Ausbildung zu bringen. Und das auch „in Unternehmen mit Inhabern mit Migrationshintergrund“, sagt Tsitsi. In einem Bildungsnetzwerk tauschen sich mehr als 40 Akteure aus. Darunter sind Experten aus Kammern, Wirtschaftsverbänden, den ausbildenden Unternehmen, Arbeitsagentur und Migrantenorganisationen – alle zwei Monate treffen sie sich.

Transfer des dualen Ausbildungsmodells

In Workshops mit den Jugendlichen helfen die Berater von der DHW zu überlegen, wie diese ihre Chance auf dem Ausbildungsmarkt verbessern können. Leitsatz dieser Treffen ist immer: „…nicht aufgeben, wenn es nicht sofort klappt“, erzählt Projektmanagerin Tsitsi. Auch diese einfachen Sätze und die Beratung helfen den Jugendlichen selbstsicherer zu werden. Über Generalkonsulate versuchen die KAUSA-Mitarbeiter einen besseren Zugang zu den ethnischen Gruppen zu bekommen. Und über Presseveranstaltungen machen sie ihr Anliegen bekannter.

Diese Erfahrungen lassen sich nun auch in deutsch-griechische Projekte einbringen. Gemeinsam mit der Handelskammer hat die DHW verschiedene Unternehmen vor Ort in der griechischen Region Argolida angeschrieben. Gemeinsam mit den Unternehmen – die vor allem Kunststoffe verarbeiten – wollen sie dort ein Ausbildungsprogramm nach dem deutschen Vorbild aufbauen.

Nach einer regen Diskussion auf dem Deutsch-Griechischen Jugendforum haben Vertreter mehrerer Organisationen sich zusammengetan – und planen ein gemeinsames Projekt zum Thema duale Ausbildung. Mehr Infos dazu in Kürze auf diesem Blog.

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