Deutsche Uraufführung von »Blumen welken früh«

Im Januar 2020 fand in Mainz eine besondere Filmpremiere statt: Etwa 350 Schüler sahen die deutsche Uraufführung des Films „Blumen welken früh- Kakópetros 28.August 1944“, der die Verbrechen der deutschen Wehrmacht an der Zivilbevölkerung auf Kreta thematisiert. Organisiert wurde das von der Schulbehörde Rheinland-Pfalz und der dortigen Landeszentrale für politische Bildung. Die Eindrücke und Reaktionen der Schüler begleitete die Regisseurin des Films, Vicky Arvelaki, mit der Kamera und waren Anfang April im kretischen Fernsehen zu sehen.

„Im deutschen Schulsystem wird Griechenland sehr selten angesprochen beziehungsweise fast gar nicht. Oft gibt es ein Kastendenken (…) und man denkt nicht über die eigenen nationalen Grenzen hinaus“, sagt eine Schülerin, die im Januar in Rheinland-Pfalz einen besonderen Film zur deutsch-griechischen Vergangenheit gesehen hat.

Kastendenken will der Film „Blumen welken früh- Kakópetros 28.August 1944“ grundsätzlich vermeiden. Vielmehr möchte er neue Impulse für die Auseinandersetzung mit dem deutsch-griechischen Verhältnis setzen und dazu beitragen, „einen Grundstein einer neuen Erinnerungskultur zu legen“, heißt es im Ankündigungsflyer zum Film. In dem 2018 entstandenen Film werden die Verbrechen der deutschen Wehrmacht an der Zivilbevölkerung am Beispiel des Massakers von Kakópetros auf Kreta im Jahre 1944 thematisiert.

Griechenland gehört zu den Ländern, die zwischen 1941 und 1944 besonders stark unter der deutschen Besatzung gelitten haben. Die Verbrechen der Wehrmacht und der SS sind bis heute eine offene Wunde im griechischen Bewusstsein.

Vom 21. bis 23. Januar 2020 wurde er im Umfeld der Gedenkveranstaltungen zum Tag der Opfer des Nationalsozialismus  in Deutschland uraufgeführt. 15 Schulen, etwa 350 Schülerinnen und Schüler, sahen in Mainz den etwa einstündigen Film in vier Nachmittags- und Abendveranstaltungen. Eingeladen hatten die Schulbehörde von Rheinland-Pfalz und die Landeszentrale für politische Bildung. „Wir hatten den Film von Vicky Arvelaki und Mattheios Frantzeskakis im Frühjahr 2018 bei einer Bildungsreise zu dieser Thematik für Lehrer in Chania kennengelernt und die Regisseure daraufhin mit ihrem Film nach Deutschland eingeladen“, berichtet Bettina Münch-Rosenthal, Referentin für internationale Zusammenarbeit und Beauftragte für EU-Programme im Schulbereich der Schulbehörde in Rheinland-Pfalz. Der Film wurde bereits auf einigen Filmfestivals in Griechenland und darüber hinaus gezeigt.

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©Screenshot YouTube Kanal von der Regisseurin Vicky Arvelaki von der Sendung „Sto Epikentro“

Der Ort Kakópetros auf Kreta
Kakópetros zählt seit dem Jahr 2000 zu den Opferdörfern Griechenlands. Die Einwohner leisteten während des deutschen Angriffs auf Kreta Widerstand gegen deutsche Truppeneinheiten und konnten im Mai 1941 einen aktiven Beitrag zum Abzug der alliierten Soldaten an die Südküste leisten. Kakópetros wurde daraufhin am 3. Juni 1941 von deutschen Truppen zerstört. Am 28. August 1944, kurz vor dem Rückzug der deutschen Besatzungstruppen, wurden der ort erneut Schuaplatz eines Massakers an Zivilisten, bei dem 23 Männer, darunter die vier Söhne der Familie Despotakis ermordet wurden. Die Mutter wurde danach gezwungen, für die Deutschen zu kochen. Im Film erzählen fünf Überlebende von diesem Tag und erzählen von den Folgen.

„Die Reaktion der Schülerinnen und Schüler, die vorher thematisch auf den Film in den rheinland-pfälzischen Schulen vorbereitet wurden, war sehr beeindruckend – so beeindruckend, dass die Filmemacherin Vicky Arvelaki aus diesen Reaktionen nach dem Film einen neuen Film und Beitrag für eine Fernsehsendung auf Kreta zusammengestellt hat“, berichtet Münch-Rosenthal. Anfang April wurde dieser im kretischen Fernsehen NeaTV im Rahmen einer ausführlichen, knapp 50-minütigen Sendung auf Griechisch mit Szenen auf Deutsch ausgestrahlt. „Die Sendung hat großes Aufsehen auf Kreta erregt, auch der Gouverneur von Kreta hat sich gemeldet; viele fragten auch nach einer Wiederholungssendung“, sagt Münch-Rosenthal.

Die Interviews mit Lehrern und Schülern sind in das Gespräch zwischen Vicky Arvelaki und dem Moderator der Sendung eingebaut:

Auf Deutsch: Lehrer ab Minute 08:42, Schüler ab Minute 17:02 sowie griechischsprachige Schüler ab Minute 37:35

Quelle: AUFSICHTS- UND DIENSTLEISTUNGSDIREKTION RHEINLAND-PFALZ

Der Film ist eingebettet in die Veranstaltungs- und Ausstellungsreihe zum Thema „Gemeinsames Erinnern und Gedenken an die Jahre 1941 bis 1945 in Deutschland und  Griechenland“. Die Veranstaltungen der Reihe sind aufgrund der Corona-Pandemie unterbrochen und werden voraussichtlich in den Herbst 2020 und das kommende Jahr verschoben.

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