Kurz vor den Europawahlen kamen 120 deutsche und griechische Jugendliche in Leipzig zusammen, um mit Bundesjugendministerin Franziska Giffey und Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung beim Jugendbarcamp „Hallo Leipzig! Wie geht’s dir Europa?“ über nichts Geringeres zu diskutieren als – die Zukunft des Kontinents.

„Ich wünsche mir, dass es in fünf Jahren einen ganz selbstverständlichen Austausch und eine intensive Partnerschaft in einem deutsch-griechischen Jugendwerk gibt“, ließ sich Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) am Samstagmittag einen persönlichen Wunsch entlocken. Noch bis Montag diskutieren 120 Jugendliche aus beiden Ländern unter dem Motto „Hallo Leipzig! Wie geht’s dir Europa?“ ihre Themen rund um ihre Heimatländern, Europa und die Zukunft.

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Bundesjugendministerin Franziska Giffey (Dritte von links) und Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (Dritte von rechts) diskutieren mit Jugendlichen.

Leipzig, dies steht seit Oktober 2018 fest, wird der Sitz des Deutsch-Griechischen Jugendwerks in Deutschland. Eingeladen hatte deshalb Bundesjugendministerin Franziska Giffey (SPD), um mit den Jugendlichen den Startschuss für das Vorhaben zu geben: „Wir haben uns bewusst für einen Standort in Ostdeutschland entscheiden, um hier ein Zeichen für Europa zu setzen“. Die Idee sei auch gewesen, eine internationale Organisation in einer aufstrebenden Stadt anzusiedeln, betonte Giffey ihr Engagement für Leipzig als Sitz des Jugendwerks. Auch Köln hatte sich länger Chancen auf den Zuschlag ausgerechnet. Leipzig habe viel geleistet und unterhalte bereits gute Beziehungen zu Griechenland, sagte die Ministerin am Samstagmittag.

Griechische Spuren in Leipzig
DSC_3484An diese erinnerte auch Burkhard Jung: Zu Leipzig gehöre die erste griechische Gemeinde Deutschlands, die sich dort bereits vor 300 Jahren gegründet habe, aber auch der Städtepartnerschaftsverein mit Thessaloniki, der noch zur DDR-Zeiten gegründet wurde. „Es weht ein rauer Wind in Europa und jenseits des Atlantiks. Ich möchte euch bitten, Nein zu sagen zu Rassismus, Abschottung und Homogenität“, gab er den Jugendlichen mit. Alle Begegnungen internationaler Art, die die Stadt und Gesellschaft öffneten, helfen dabei, Europa weiterzuentwickeln, sagte Jung. Ziel sei es daher, Brücken zu schlagen zwischen Schulen, Vereinen und auch der Städtepartnerschaft. Derzeit suche man einen geeigneten zentralen Ort in der Stadt für das Büro des Jugendwerks, kündigte der Oberbürgermeister an.

Wünsche an die Politik
Bei der folgenden Podiumsdiskussion mit den Politikern hatten die Jugendlichen Wünsche und Themen mitgebracht, die sie gern vorangebracht sähen. Die Leipzigerin Annegret Janssen etwa sprach sich für einen verstärkten Austausch zwischen Jugendparlamenten aus: „Es ist nicht überall so wie hier in Leipzig, dass es ein Jugendparlament gibt“, erklärte sie. „Dabei wünsche ich mir, dass Jugendbeteiligung nicht nur kommunal, sondern auch europaweit funktioniert“, sagte sie (mehr dazu im Interview hier).

Für Dimitris Amvrossiadis aus Korfu war das Thema Inklusion ein Herzensthema: „Ich habe schon früh mit Austauschen beginnen können und möchte, dass Europa allen die Chance auf Teilhabe öffnet“, betonte er. Es gäbe einige Gruppen, die „definitiv noch ausgeschlossen von solchen Erfahrungen“ sind, kritisierte er. Seine Hoffnung: „Dass es in fünf Jahren mehr Interessenten als Plätze gibt, und dass Informationen miteinander geteilt und nicht für sich behalten werden, wie es in Griechenland vielerorts noch Praxis ist.“

„Ich bin im vergangenen Jahr zum ersten Mal gereist und möchte, dass in fünf Jahren noch mehr junge Leute an Austauschen wie diesem hier teilnehmen, um sich für ein besseres Europa einsetzen zu können“, resümierte Jiannis Kanlis aus Thessaloniki.

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Was kann ich tun?
„Wenn es um Teilhabe geht, müssen wir nicht nur fragen, was Europa für uns tut, sondern auch, was man selbst für Europa tun kann“, warf  Julia Bauer vom Erasmus Student Network aus Halle in die Runde ein. Das sah auch die Jugendministerin so: „Die Teilhabe hat noch ein Geschwisterkind und das ist das Teilgeben.“ Erst das eigene Beitragen von sich aus mache wirkliche Teilhabe aus, sagte Giffey.

Genau darum geht es noch bis zum kommenden Montag beim Jugendbarcamp: „Es wird geredet, kreiert, es werden Freundschaften geschlossen und ein gemeinsames Europa entworfen“, begrüßte Moderatorin Nadia Zaboura zum Barcamp. Ein Barcamp ist eine sogenannte „Un-Konferenz“, ein Format, bei dem die Teilnehmer die Inhalte bestimmen. Dabei ist alles im Fluss und kann spontan geändert werden – Spezialwissen ist nicht von Nöten, nur Interesse am Thema.

Hintergrund
Das Barcamp 2019 in Leipzig reiht sich ein in eine Folge von Deutsch-Griechischen Jugendforen, die 2014 in Bad Honnef begann, 2017 im griechischen Thessaloniki fortgeführt wurde und in ein drittes Jugendforum in Köln im Oktober 2018 mündete. „Es wird nicht mehr lange dauern bis das Jugendwerk die Arbeit aufnimmt – wir hoffen, dass das in diesem Sommer sein wird“, hatte Thomas Thomer, Unterabteilungsleiter im Bundesjugendministeriumbei der Eröffnung des Barcamps am Vorabend angekündigt.

 

 

Hier geht’s zum Video des Live-Streams der Veranstaltung auf Deutsch und Griechisch.

Zusätzliche Informationen auch bei IJAB.

Text: Lisa Brüßler
Fotos: Luca Samlidis, Maxi Köhler, Lisa Brüßler, Christian Herrmann

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