Bunte Klettersteine an hohen Wänden. Ein paar Mädchen lachen und erzählen aufgeregt. Dann hallt ein lautes Piepen durch die Kletterhalle: Mit einem blauen Kran werden Trapeze an der Decke befestigt – Holzstangen, die an frei hängenden Seilen baumeln. Die selbst-organisierte junge Artistengruppe „Impuls“ trainiert in den AbenteuerHallenKalk für ihre Auftritt Ende des Jahres. In wenigen Minuten wird eine junge Frau auf einem Trapez von einer Hallenseite zur anderen schaukeln und sich dann mit Leichtigkeit aus dem Sitz fallen lassen. Blitzschnell greift sie die Holzstange des Trapezes und schwingt schließlich kopfüber in etwa zehn Metern Höhe.

Ein Coach sichert die junge Artistin beim Training – trotzdem bekommen wohl einige Teilnehmende vom dritten Deutsch-Griechischen Jugendforum beim Zuschauen nervöses Herzklopfen. Koordinator Jonas Schrot führt sie durch die AbenteuerHallenKalkin Köln als Abenteuerhalle Kalk bekannt – im Rahmen eines Projektbesuchs. In den zwei umgebauten alten Fabrikhallen werden auf insgesamt 5.000 m2 Sportarten wie Klettern, Rollstuhlbasketball, BMX, Skateboard, Scooter, Artistik, Dirt und Trial angeboten, außerdem gibt es Workshops und Events. Träger ist die Jugendzentren Köln (JugZ) gGmbH.

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Offene Tür, offene Ohren
Die Tür der Abenteuerhallen steht grundsätzlich allen offen. Will man klettern, skaten oder sonst wie aktiv werden, fällt eine Gebühr von drei Euro an. Der im Vergleich zu anderen Kletterhallen niedrige Preis ist nötig, um Mitarbeiter/-innen bezahlen zu können und die Instandhaltung und teilweise Beheizung der Hallen zu gewährleisten. Neben Geldern aus der Projektförderung können die AbenteuerHallenKalk auch von Unternehmen für Events gemietet werden, was der Jugendanlaufstelle weitere Gelder einbringt.

DSCF6940„Du musst Gas geben“, ruft ein Junge auf einem Scooter seinem Freund zu. „Gib Gas, gib Gas!“ Grau wie Beton und laut ist es in der Halle 59 – dem einzigen Indoor Skatepark Kölns. Höhere und weniger hohe Skaterampen erstrecken sich in der Halle. Viele Jungen mit schwarzen Helmen auf dem Kopf rasen auf ScooternTretrollern, nicht motorisiert – hin und her, springen und wagen Tricks. Ein älterer Junge ist auf einem BMX in der Halle unterwegs. Weil er über 18 ist, gilt für ihn keine Helmpflicht. Bald springt er mit dem BMX auf den Rampen.

Jonas koordiniert die Halle 59, die neben der Kletterhalle für Sportarten wie Skateboard, Scooter und BMX zur Verfügung steht. Einige Jugendliche begrüßen ihn mit Handschlag: Die AbenteuerHallenKalk verfolgen das Konzept mit Sport unterschiedliche Jugendkulturen zu erreichen, Integration und Akzeptanz zu fördern. Mit langen Öffnungszeiten steht die Skatehalle Jugendlichen als Anlaufstelle dauerhaft zur Verfügung. Zusätzlich werden spezielle Workshops angeboten: Jugendliche haben an einem Wochenende selbst eine Skaterampe konstruiert und gebaut und es gab einen Kurs für Medien und Videoschnitt.

Auch Drogenprävention sei ein Thema, berichtet Jonas auf Nachfrage. Die Betreuer gingen auf Jugendliche zu, auch um der Überzeugung entgegenzuwirken, dass Drogen zur Szene dazugehören. Noch sind rund 89 Prozent der Jugendlichen in der Skatehalle männlich. Mädchen und junge Frauen werden seit einigen Monaten mit einem eigenen Tag stärker gefördert. Im nächsten Jahr steht außerdem ein Hallenumbau an, durch den die Sportfläche noch erweitert werden soll.

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Abenteuer Jugendaustausch
Die AbenteuerHallenKalk kooperieren bereits mit anderen Jugendzentren und machen Ausflüge mit Jugendgruppen, zuletzt ging es nach Kopenhagen. Das interessiert die Teilnehmer vom Jugendforum natürlich besonders. Vielleicht könnten wir nächstes Jahr nach Thessaloniki“, schlägt Jonas vor und lacht. Er selbst hatte eine Idee für eine Jugendreise nach Japan, wo 2020 die Olympischen Spiele stattfinden werden.

Nachdem Skaten schon 2016 zur olympischen Disziplin erklärt wurde ist seit 2017 auch BMX Freestyle Park als solche anerkannt. Von den Szenen wird das unterschiedlich aufgenommen. Um mit den Jugendlichen einen Eindruck zu gewinnen, wollte Jonas mit einigen nach Tokio reisen oder vorab einen Austausch mit Kyoto organisieren, einer japanischen Partnerstatt Kölns. Nach einem guten Start liegt das Projekt der Organisation und Finanzierung wegen nun auf Eis. Trotzdem bleibt es ein Ausblick, dass die AbenteuerHallenKalk ihr erfolgreiches Konzept von Sport und integrativer Vielfalt eines Tages vielleicht mit internationale Jugendbegegnungen bereichern können.

Text: Jasmin Janclaes
Fotos: Christian Herrmann, IJAB

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