Kaum ein Grieche weiß nicht um die Rolle Bayerns in Griechenland – im Gegensatz zu den Deutschen: Dass König Otto Friedrich Ludwig von Wittelsbach dreißig Jahre lang der erste König von Griechenland war ist ein eher unbekannter Fakt. Grund genug für eine blau-weiße Kooperation zwischen den Jungen Europäischen Förderalisten (JEF) aus Bayern und Griechenland. Anfang Oktober war die bayrische Gruppe zu Gast in Athen und lernte viel über die Auswirkungen, die ihre Kultur und ihr Volk auf das andere Land hatte – aber auch die griechischen Teilnehmer konnten viel zur gemeinsamen Geschichte lernen.

Die Blau-Weiße Kooperation von JEF ist ein Projekt der Jungen Europäischen Föderalisten von Griechenland und Bayern, damit Deutsche und Grieche ihre gemeinsame Geschichte besser kennenlernen können. Auf dem Höhepunkt der Krise, als die Stereotypen zwischen Griechen und Deutschen immer negativer und intensiver wurden, wollten wir reagieren, damit die junge Leute in beiden Ländern sich nicht als „Opfer“ der Mainstreammedien sehen müssen. Da Griechenland und Bayern die gleichen Farben in ihrer Flagge tragen, war das Wortspiel „Blau-Weiße Kooperation“ geboren und schon geht die Kooperation in ihr fünftes Jahr.

Die Junge Europäische Föderalisten (JEF) sind eine Organisation mit mehreren Landverbänden im ganzen Europa, die für die Föderalisierung Europas durch eine gemeinsame Verfassung sind, die Demokratie, Friede und Subsidiarität garantiert. Seit 2013 veranstalten die zwei Organisationen alle zwei Jahre die „Blau-Weiße Kooperation“: Eine Gruppe von Jugendlichen aus Griechenland besucht Bayern und umgekehrt kommen Jugendliche aus Deutschland nach Athen, um auf den bayrischen Spuren zu wandeln. Die letzte Begegnung von mehr als zwanzig Jugendlichen fand Ende September und Anfang Oktober in Athen statt.

Gemeinsame Geschichte
Viele JEF-Verbände organisieren in den verschieden Ländern und Regionen Europas kulturelle Austauschprogramme und Ausbildungsprojekte mit dem Ziel, dass unsere Generation die verschiedenen Kulturen besser kennenlernen kann und nach dieser Art und Weise erlauben wir niemandem, uns zu überzeugen, rassistische Stereotypen zu glauben und zu reproduzieren. Doch die Blau-Weiße Kooperation ist kein übliches kulturelles Austauschprogramm in diesem Sinn. Griechenland und Deutschland im Allgemeinen und Athen und Bayern im Besonderen haben eine lange Tradition gemeinsamer Geschichte: Die Rolle der byzantinischen Prinzessen und Künstler in der Entwicklung der früheren Deutschen Kultur, die Auswirkung des Griechentums auf das Leben und die Kultur Deutschlands, die Philhellenen aus Deutschland bei der Griechischen Revolution, König Otto, der 1832 König in Griechenland wurde, Königin Amalia und die Bayerische Verwaltung von Griechenland im 19. Jahrhundert –die Liste ist lang.

Auch der Zweite Weltkrieg und die Besetzung von Griechenland hat Spuren hinterlassen. Die Aktivitäten des Deutschen Archäologischen Instituts und des Goethe-Instituts in Athen waren genauso Anlaufpunkt für uns wie die Europäisierung der Deutsch-Griechischen Beziehungen und natürlich die Migrationsbewegungen und der Tourismus der letzten Jahrzehnte haben das Schicksaal der beiden Länder nachhaltig geprägt. Die Teilnehmer der Blau-Weißen Kooperation lernten nicht nur über wichtige Elemente der Kulturen Griechenlands und Deutschlands, sondern auch über die Auswirkungen, die ihre Kultur und ihr Volk auf das andere Land gehabt hat.

Ehrgeizige Pläne für die Zukunft
Die Gruppe besuchte das griechische Parlament, nahm an einem Workshop gegen Stereotypen zwischen Griechen und Deutschen im Büro des Europäischen Parlaments in Griechenland teil und führte Gespräche im Deutschen Archäologischen Institut Athen und in der Botschaft von Deutschland in Griechenland. Mit dazu gehörte aber auch ein ausgiebiger Spaziergang mit einem Historiker durch das „Athen der Ära von Otto“, ein Museumsbesuch und in Besuch im „Orange House“ in Exarcheia bei der NGO Zaatar für geflüchtete Menschen. Auch für eine kurzen Abstecher außerhalb Athens blieb Zeit: Bei einem Besuch beim Tempel von Aphäa Athena konnten die Bayern den Tempel sehen, dessen andere Hälfte in München ausgestellt ist, nachdem Ludwig I. ihn von Schmugglern aus Italien gerettet hat.

Mithilfe der App „Deutsche Spuren“ des Goethe-Instituts entdeckten die Jugendlichen Athen auf eigenen Faust und hatten Gelegenheit sich besser kennenzulernen. Dieser Austausch hat bei JEF Griechenland und JEF Bayern noch ehrgeizigere Pläne für die Zukunft ausgelöst: Ab diesem Jahr wird der Austausch jedes Jahr stattfinden und es soll eine Online-Plattform entwickelt werden, wo die Teilnehmer in Kontakt bleiben können und Blogeinträge schreiben können. Zusätzlich soll dort eine kleine Forschungsarbeit zu Stereotypen zwischen den beiden Ländern aufgebaut werden, sodass sich daraus allmählich ein Netzwerk und Informationspunkt zwischen Athen und Bayern etablieren kann.

Text: Alexandros Apostolidis, International Officer von JEF Griechenland,
Fotos: JEF Griechenland

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