Die ersten Schritte zum Aufbau eines griechischen Jugendherbergswerks mit deutscher Unterstützung wurden bereits beim ersten Deutsch-Griechischen Jugendforum 2014 in Bad Honnef gemacht. Für Agorayouth ziehen die beteiligten Akteure, Gunnar Grüttner vom Deutschen Jugendhebergswerk (DJH) und Panos Poulos von der griechischen NGO Filoxenia, eine Zwischenbilanz und erklären ihre Pläne für die Zukunft.

Agorayouth: Herr Grüttner, Herr Poulos, direkt im Anschluss an das Jugendforum in Thessaloniki sind Sie für einen study visit nach Deutschland geflogen, um Jugendherbergen anzuschauen – erst in Berlin und dann im unteren Weser-Ems-Land. Warum das?
Panos Poulos: So etwas wie das Deutsche Jugendherbergswerk gibt es in Griechenland noch nicht. Meine Organisation Filoxenia bietet allerdings bereits heute Seminare zu Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen für junge Menschen an. Wir haben ein eigenes Haus, in dem unsere Teilnehmer übernachten können. Ich kann mir gut vorstellen, darauf aufbauend eine Art Jugendherbergswerk zu etablieren.
Gunnar Grüttner: Ich bin beim DJH für internationale Kooperationen zuständig. Wir sind der Dachverband aller Jugendherbergen in Deutschland. In unseren Landesverbänden versammeln sich rund 500 Häuser. In Berlin habe ich einer etwa zehnköpfigen griechischen Hostel-Delegation eine unserer neuesten Jugendherbergen gezeigt. Und auch unser Verband im unteren Weser-Ems-Land möchte die Griechen gerne bei ihrer Aufbau-Arbeit unterstützen.

gunnar und panos

Gunnar Grüttner und Panos Poulos

Agorayouth: Wieso denn ausgerechnet im Weser-Ems-Land?
Grüttner: Das passt ganz gut, weil die Jugendherbergen in dieser Region zum Beispiel Aurich, Leer und Neuharlingersiel ebenfalls einen Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit haben. Durch die Lage fernab der großen Metropolen gibt es in den Jugendherbergen dieser Region zahlreiche pädagogische Angebote, die die umliegende Natur einbeziehen. Unsere Herbergen in Leer und Aurich haben außerdem ein besonderes Programm zur Inklusion entwickelt.
Poulos: Wir schauen uns dort insgesamt zehn Häuser an. Dabei interessiert mich nicht nur, wie groß die sind oder wie die Zimmer von innen aussehen. Wie ich gehört habe, sind Jugendherbergen viel mehr als nur Bed&Breakfast. Mich interessiert der Spirit dort. Welche Atmosphäre finden die jungen Menschen dort vor? Und wie gelingt es, die eigene „Blase“ zu durchbrechen und mit der umliegenden Region zu interagieren? In Griechenland haben wir so etwas nicht.

Agorayouth: Wie sehen denn Klassenfahrten in Griechenland aus?
Poulos: Der Lehrer bucht ein Hotel einer großen Kette entweder in Athen oder in Thessaloniki. Für die Eltern kostet das ein Vermögen und die Jugendlichen nutzen meist den Tag fürs Shopping und den Abend zum Feiern. Dabei hat grade Griechenland in den ländlichen Regionen so großartige Ausflugsziele! Die Oliven-Plantage, die Küsten und die Bauerndörfer haben so viel Kultur. Es ist schade, dass das für Klassenfahrten überhaupt nicht in Betracht gezogen wird – da gib es in Griechenland noch großes Potential.

Agorayouth: Und wie soll die Zusammenarbeit mit dem unteren Ems-Land genau aussehen?
Grüttner
: Wir versuchen unsere Freunde aus Griechenland mit der Logistik zu unterstützen, mit unseren Erfahrungen im Buchungssystem und natürlich mit dem pädagogischen Ansatz. Langfristig schwebt uns ein richtiger Fachkräfte-Austausch vor, das wird gerade schon vom Sonderprogramm gefördert. Und natürlich sollen Jugendgruppen aus Deutschland und Griechenland sich auch gegenseitig besuchen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s